Ein Blick in die Chefetagen der deutschen Bildungsministerien

Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Berlin

Baden-Württemberg

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport wird seit Mai 2021 von Theresa Schopper geleitet. Die 1961 in Füssen geborene Politikerin hat an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ein Diplom in Soziologie erworben.

Nach dem Abschluss des Studiums war sie in verschiedenen Funktionen für die bayerischen Grünen tätig, u.a. als Geschäftsführerin, Landesvorsitzende, Landtagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecherin. 2016 wurde sie zur Staatssekretärin im baden-württembergischen Kultusministerium ernannt, ehe sie nach den letzten Wahlen zur Ministerin aufgestiegen ist.

Außerhalb der Parteiarbeit verfügt sie über keinerlei berufliche Erfahrungen. Ihre Expertise im Bereich Pädagogik und Bildungspolitik basiert außer auf ihrer Schulzeit lediglich auf ihrer zeitweiligen Mitgliedschaft in einem Hochschul-Unterausschuss des Bayerischen Landtags.

Schopps Bildungspolitik ist dementsprechend kraftlos. Sie selbst bekennt sich zur Verwaltung des Status quo als „Grundlage für meine Arbeit“ [1]. Sie erscheint damit als ultimative Totengräberin der zu Beginn der grün dominierten Regierungszeit in Baden-Württemberg mit viel Elan angekündigten pädagogischen und schulstrukturellen Reformen.

Bayern

Das bayerische Ministerium für Unterricht und Kultus wird seit den Wahlen des Jahres 2018 von Michael Piazolo von den Freien Wählern geleitet. Der 1959 in Stuttgart geborene Piazolo hat in München und Lausanne Jura und Politikwissenschaft studiert und danach für das Münchner Goethe-Institut gearbeitet. Nach seiner 1992 in Regensburg abgeschlossenen Promotion in Rechtswissenschaften war er von 1991 bis 2006 Dozent an der Tutzinger Akademie für Politische Bildung sowie seit 1994 Lehrbeauftragter an der Münchner Hochschule für Politik.

Im Anschluss an seine 2003 abgeschlossene Habilitation in Politikwissenschaft an der Universität Augsburg hat Piazolo dort als Privatdozent gelehrt. 2006 wurde er zum Professor an der Berliner Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege ernannt, 2008 zum Professor für European Studies an der Münchner Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Seit 2005 war Piazolo in verschiedenen Funktionen für die Freien Wähler tätig, u.a. als stellvertretender Landesvorsitzender, Generalsekretär und Vorsitzender des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur im bayerischen Landtag.

Piazolo verfügt demnach fraglos über beachtliche Qualifikationen, hätte diese aber wohl besser als Leiter des bayerischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst einbringen können.

Berlin

Die Leitung der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ist im Zuge der Wiederholungswahl vom Januar 2023 im April von der Sozialdemokratin Astrid-Sabine Busse auf die Christdemokratin Katharina Günther-Wünsch übergegangen.

Beide Politikerinnen verfügen über reichhaltige pädagogische Erfahrungen. Busse war jahrelang als Förderschullehrerin und Grundschulrektorin tätig. Von 2015 bis 2021 war sie zudem Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen (IBS).

Die 1983 in Dresden geborene Katharina Günther-Wünsch hat in ihrer Heimatstadt zunächst Humanmedizin und dann Chemie, Mathematik und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien studiert. 2013 nahm sie eine Tätigkeit als Gymnasiallehrerin und ab 2017 als stellvertretende Schulleiterin in Berlin-Neukölln auf.

Günther-Wünsch hat sich zunächst auf kommunaler Ebene in Marzahn-Hellersdorf für die CDU engagiert. Dort gewann sie bei der Abgeordnetenhauswahl des Jahres 2021 auch das Direktmandat für die CDU, das sie 2023 souverän verteidigte. Vor ihrer Ernennung zur Bildungssenatorin war sie bildungspolitische Sprecherin ihrer Partei.

Brandenburg

Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg wird seit Mai 2023 von Steffen Freiberg geleitet. Der 1981 in Rostock geborene Politiker hat in seiner Heimatstadt Verwaltungswissenschaften und
Anglistik studiert.

Seit 2006 war Freiberg in verschiedenen Funktionen für die SPD in Mecklenburg-Vorpommern tätig. Nachdem er zunächst als Referent der SPD-Fraktion für Umwelt, Verbraucherschutz und Rechtsextremismus angestellt war, wurde er 2008 zum Referatsleiter für Landtagsangelegenheiten in der Staatskanzlei und 2011 zum Büroleiter des damaligen Bildungsministers Mathias Brodkorb ernannt.

Von 2016 bis 2021 wirkte Freiberg als Staatssekretär im Bildungsministerium von Mecklenburg-Vorpommern, gab dabei allerdings keine glückliche Figur ab. Die schleppende Umsetzung der Digitalisierungspläne und die überstürzte Einführung des Fachs Gesellschaftswissenschaften führten dazu, dass er im November 2021 in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde [2].

Bereits zwei Monate später wechselte er aus dem Ruhestand in den brandenburgischen Staatsdienst. Dort war er zunächst als Staatssekretär im Bildungsministerium tätig, ehe er im Mai 2023 nach dem Rücktritt der bisherigen Bildungsministerin Britta Ernst zum Minister befördert wurde.

Freiberg verfügt über vielfältige Erfahrungen in der Bildungsbürokratie, besitzt jedoch keinerlei originäre pädagogische Expertise. Auch ist unverständlich, wie sein glückloses Agieren in Mecklenburg-Vorpommern ihn für Ministerwürden in Brandenburg qualifizieren soll.

Nachweise

[1]    Zit. nach Henkel-Waidhofer, Johanna: Bildungspolitik in BW: Elf verlorene Jahre. In: Kontext: wochenzeitung,2. November 2022.

[2]    Im Vorfeld der Landtagswahlen des Jahres 2021 kritisierte die damalige Oppositionspolitikerin und jetzige Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg, die seinerzeit das Land regierende Große Koalition aus SPD und CDU außerdem für die zu geringen Investitionen in die Bildung, die hohe Anzahl von Lernenden pro Lehrkraft und die schleppende Abrufung der Gelder aus dem Digitalpakt, mit dem der Bund die Länder bei der Anpassung an die Bildung in der digitalen Welt unterstützt (vgl. Becker, Andreas: Vernichtendes Zeugnis für die MV-Regierung. Nordkurier/dpa, 3. August 2021).

Bild: Collage aus: Björn Láczay: Theresa Schopper (Mai 2006); Wikimedia commons; Michael Lucan: Michael Piazolo bei einer Aktuellen Stunde im Bayerischen Landtag (Februar 2016); Wikimedia commons; Sandro Halank: Katharina Günther-Wünsch bei der Wahl des Regierenden Bürgermeisters am 27. April 2023; Wikimedia commons; Bildungshaus am Meer, Heimvolksschule Lubmin/Mecklenburg-Vorpommern: Steffen Freiberg bei der Übergabe des Förderbescheids (Ausschnitt); heimvolkshochschule.de, 19. April 2018

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