Kategorie: LuK: Essays

Biographisches und autobiographisches Schreiben

Obwohl wir nun schon seit über 50 Jahren vom „Tod des Autors“ raunen, feiern wir noch immer den Kult des Autors. Obwohl wir um die Fallstricke der Selbstwahrnehmung wissen, tun wir noch immer so, als könnten wir uns unzweideutig als ein bestimmtes Ich identifizieren. Obwohl wir die Differenz von erinnertem und sich erinnerndem Subjekt kennen,…

Jacques Prévert – der Poet des Alltags

Der Blumenladen (nach  Jacques Prévert Chez la fleuriste) Rote blaue gelbe Blumen ein Bad in einem Meer aus Düften für ein paar abgezählte Münzen die über die Theke des Blumenladens auf den blütenbetupften Boden rollen um einen Körper den Körper eines Mannes zwischen den duftenden Blumen einen Körper mit gebrochenem Herzen den die Münzen klimpernd…

Die Gnade der Zensur

Mit einem geheimen Strategiepapier aus einer Zensorenschulung Einer der „Hingucker“ der diesjährigen Kasseler documenta war der von der argentinischen Künstlerin Marta Minujín gestaltete „Parthenon of books“, ein mit verbotenen Büchern behängter, nachts bunt angestrahlter Tempel, in dem wie in einer Arche Noah des Geistes zensierte Werke eine Heimstatt finden sollten. Die Aussage ist klar: Aller…

Die Keimzelle des deutschen Literaturbetriebs

Thesen zum 70. Geburtstag der Gruppe 47   Die vor 70 Jahren entstandene Gruppe 47 hat den deutschen Literaturbetrieb entscheidend geprägt. Hierzu gibt es an dieser Stelle einen kurzen Überblick in fünf Thesen. Zur Vertiefung kann ein längerer Beitrag über die Frühzeit der Gruppe dienen, der deren Entstehungsgeschichte, literaturtheoretische Hintergründe und Diskussionskultur genauer beleuchtet: Die…

Literarische Realismen

Realismus in der deutschsprachigen Nachkriegsprosa des 20. Jahr­hunderts Die erneute realistische Wende in der deutschen Literatur geht einher mit der Bevorzugung marktgängiger, leicht zu „konsumierender“ Texte. Es ist, als hätte es nie eine literarische Moderne gegeben. Vor diesem Hintergrund halte ich es für angebracht, unseren realismustrunkenen Literaturbetrieb mit ein paar provokanten Thesen auszunüchtern. Für diejenigen,…

Interview mit Nadja Dietrich über ihren neuen Roman „Der Tote im Reichstag und die verträumte Putzfrau“

Bild: Reichstag von Andreas Mattern Rother Baron: Frau Dietrich, seit Ihrem letzten Roman, Das russische Labyrinth, ist schon einige Zeit vergangen. Was hat Sie dazu bewogen, jetzt ein neues Projekt in Angriff zu nehmen? Nadja Dietrich: Im Russischen Labyrinth wird das Geschehen aus der Sicht einer Person geschildert, die der russischen Welt als Fremde gegenübertritt…

In den Wind geblasen

Der künfige Literaturnobelpreisträger? Zur Verleihung des Literaturnobelpreises an Bob Dylan Die   Verleihung   des   Literaturnobelpreises   an   Bob   Dylan   ist   für   zahlreiche Menschen, die sich lesend und/oder schreibend mit Literatur beschäftigen, ein Schlag ins Gesicht. Dabei geht es gar nicht darum, ob und in welchem Ausmaß man den Liedtexten Bob Dylans literarische Qualität zugesteht. Entscheidend ist vielmehr…

Museale und prozessorientierte Kunstbetrachtung

Anmerkungen zum neuen Kulturgutschutzgesetz Das geplante Kulturschutzgutgesetz zeigt: Kulturpflege hat in Deutschland ziemlich viel mit Reliquienkult und recht wenig mit Kunst zu tun. Den konkreten Künstler lässt man verhungern oder verfolgt ihn gar als Staatsfeind; seine Produkte beansprucht derselbe Staat nach seinem Tod aber gleichwohl als nationalen Schatz. Im Bemühen, das neue ‚Kulturgutschutzgesetz‘ zu rechtfertigen,…

Existenzialismus in den Romanen von Max Frisch

Die existenzialistische Philosophie ist für das Werk von Max Frisch von zentraler Bedeutung. Dabei zeigt sich, dass in verschiedenen Phasen seines Schaffens jeweils andere existenzialistische Strömungen im Vordergrund standen. Dies herauszuarbeiten, ist das Ziel des vorliegenden Beitrags, der aus Anlass des diesjährigen doppelten Jubiläums von Max Frisch (105. Geburtstag und 25. Todestag) erscheint. Existenzialismus in…

Das Geistesprodukt in der digitalen Welt – Chancen und Risiken

Texte zu veröffentlichen, stellt heute kein Problem mehr dar. Jeder kann jeden beliebigen Text jederzeit im Internet hochladen. Dennoch gibt es nach wie vor Bücher. Warum ist das so? Und: Haben die neuen digitalen Möglichkeiten auch Auswirkungen auf die veröffentlichten Inhalte? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf das Medium Buch und unsere Einstellung dazu? Das…