Kategorie: Literatur und Kunst

Die Epiphanie in der Gießkanne

Oder: Pfingsten und Poesie Pfingstgruß von Bruder Norabus – Überarbeitete Fassung 2019 „Plötzlich kam ein Brausen über sie …“: Das biblische Pfingsterlebnis Pfingsten gilt gemeinhin als freudiges Fest. Profanere Zeitgenossen freuen sich auf geistige Genüsse im Biergarten, religiösere Naturen feiern die geistige Vollendung des Erlösungswerkes Christi. Denn an Pfingsten – einer Art Erntedankfest im alten…

Biographisches und autobiographisches Schreiben

Obwohl wir nun schon seit über 50 Jahren vom „Tod des Autors“ raunen, feiern wir noch immer den Kult des Autors. Obwohl wir um die Fallstricke der Selbstwahrnehmung wissen, tun wir noch immer so, als könnten wir uns unzweideutig als ein bestimmtes Ich identifizieren. Obwohl wir die Differenz von erinnertem und sich erinnerndem Subjekt kennen,…

Jacques Prévert – der Poet des Alltags

Der Blumenladen (nach  Jacques Prévert Chez la fleuriste) Rote blaue gelbe Blumen ein Bad in einem Meer aus Düften für ein paar abgezählte Münzen die über die Theke des Blumenladens auf den blütenbetupften Boden rollen um einen Körper den Körper eines Mannes zwischen den duftenden Blumen einen Körper mit gebrochenem Herzen den die Münzen klimpernd…

Chansons magiques

Hexen, Tod und Zauberer im französischen Chanson Gastbeitrag von Baronesse rouge Wer über Hexen redet, muss auch über die Kultur nachdenken, die sie – in unserer westlichen Form- hervorgebracht hat: Über eine Kultur der Technikgläubigkeit, der Unterwerfung der Natur und der Verdrängung von Krankheit und Tod. Eine Betrachtung anhand von französischen Chansons: Text als pdf:…

Die Gnade der Zensur

Mit einem geheimen Strategiepapier aus einer Zensorenschulung Einer der „Hingucker“ der diesjährigen Kasseler documenta war der von der argentinischen Künstlerin Marta Minujín gestaltete „Parthenon of books“, ein mit verbotenen Büchern behängter, nachts bunt angestrahlter Tempel, in dem wie in einer Arche Noah des Geistes zensierte Werke eine Heimstatt finden sollten. Die Aussage ist klar: Aller…

Die Keimzelle des deutschen Literaturbetriebs

Thesen zum 70. Geburtstag der Gruppe 47   Die vor 70 Jahren entstandene Gruppe 47 hat den deutschen Literaturbetrieb entscheidend geprägt. Hierzu gibt es an dieser Stelle einen kurzen Überblick in fünf Thesen. Zur Vertiefung kann ein längerer Beitrag über die Frühzeit der Gruppe dienen, der deren Entstehungsgeschichte, literaturtheoretische Hintergründe und Diskussionskultur genauer beleuchtet: Die…

Literarische Realismen

Realismus in der deutschsprachigen Nachkriegsprosa des 20. Jahr­hunderts Die erneute realistische Wende in der deutschen Literatur geht einher mit der Bevorzugung marktgängiger, leicht zu „konsumierender“ Texte. Es ist, als hätte es nie eine literarische Moderne gegeben. Vor diesem Hintergrund halte ich es für angebracht, unseren realismustrunkenen Literaturbetrieb mit ein paar provokanten Thesen auszunüchtern. Für diejenigen,…

Interview mit Nadja Dietrich über ihren neuen Roman „Der Tote im Reichstag und die verträumte Putzfrau“

Bild: Reichstag von Andreas Mattern Rother Baron: Frau Dietrich, seit Ihrem letzten Roman, Das russische Labyrinth, ist schon einige Zeit vergangen. Was hat Sie dazu bewogen, jetzt ein neues Projekt in Angriff zu nehmen? Nadja Dietrich: Im Russischen Labyrinth wird das Geschehen aus der Sicht einer Person geschildert, die der russischen Welt als Fremde gegenübertritt…