Die Herren des Krieges und der Geist des Friedens

Zu zwei Liedern der portugiesischen Band Madredeus

Wie kann aus dem konsequenten „Nein“ zum Krieg ein ebenso konsequentes „Ja“ zum Leben werden? Wie erreichen wir dauerhaften Frieden? – Ein musikalischer Dialog mit der portugiesischen Band Madredeus.

Podcast:

Die Herren des Krieges

Dort draußen lagern sie,
die Herren des Krieges,
und stimmen schon ihr Triumphgeheul an.

Wohin wird diese Geschichte uns führen?
In die Arme der Angst,
in die bedrückenden Arme der Angst!

Hier drinnen warten die Männer,
alle verbunden
in einem gemeinsamen Los.

Erloschen ist die Flamme des Friedens!
Selbst die Erinnerung an sie
ist ausgelöscht von der Angst.

Ach, Erde,
willst du aufstehen an diesem Tag,
der verloren ist, ehe er begonnen hat?

Wie vergiftet ist doch der Ruhm des Krieges
und der Triumphe auf den Gräbern
all der verlorenen Männer!

Erloschen ist die Flamme des Friedens!
Selbst die Erinnerung an sie
ist ausgelöscht von der Angst.

Ach, Erde,
willst du aufstehen an diesem Tag,
der verloren ist, ehe er begonnen hat?

Madredeus: Os senhores da guerra Lied von Francisco Manuel Pir Ribeiro / Pedro Ayres Ferreira Magalhaes aus: O Espírito da Paz (1994)

Live im Brüsseler Palais des Beaux Arts (1995):

Albumfassung

Wenn der Krieg jede Erinnerung an den Frieden auslöscht

In ihrem Lied Os senhores da guerra (Die Herren des Krieges) entwirft die portugiesische Band Madredeus ein apokalyptisches Szenario:

Draußen vor den Toren der Stadt lagern die Herren des Krieges. Trunken von Macht und Mordlust stimmen sie ihr Triumphgeheul an, das alles unter sich begräbt.

Nicht nur die Männer im Inneren der Stadt werden ihm zum Opfer fallen. Auch die Erinnerung an den Frieden, das bloße Gefühl dafür, was „Frieden“ bedeutet, wird davon hinweggefegt.

Kontemplation als Gegengift zum Krieg

Ist also alles verloren? Gibt es keinerlei Hoffnung mehr auf eine friedlichere Welt?

Doch, die gibt es. Schließlich trägt das Album, auf dem sich der Song befindet, den Titel O Espírito da Paz (Der Geist des Friedens). Dementsprechend finden sich darauf auch andere Lieder, die sehr wohl andeuten, wie der Weg zum Frieden doch noch erfolgreich beschritten werden kann.

Am deutlichsten kommt dies vielleicht in dem Song As cores do sol (Die Farben der Sonne) zum Ausdruck. Darin wird eine Abendstimmung beschrieben, in der das Ich durch die Stille und das zauberische Zwielicht der Dämmerung in einen Zustand der Kontemplation hinübergleitet. Dadurch wird es möglich, die Dinge nicht mehr in ihrer äußeren Erscheinung, sondern in ihrem Wesen wahrzunehmen.

Dies ist zudem mit einer Art von Entgrenzung verbunden: Die Grenzen zwischen Ich und Nicht-Ich verschwimmen, die Seele ist auf einmal durchdrungen von fremdem Sein. Dies gilt natürlich auch für andere Menschen, bei denen ebenfalls das Wesen ihres Seins hinter der Maske ihres äußeren Lebens erahnbar wird.

Das Fundament dauerhaften Friedens

Ein solcher – auch durch eine entsprechend meditative Musik ausgemalter – Zustand ist es, in dem sich der „Geist des Friedens“ am unmittelbarsten offenbart. Übertragen auf eine allgemeine Lebenseinstellung, bedeutet er, dass die Haltung des aggressiven Beherrschenwollens einem Gefühl für die Verbundenheit alles Lebendigen miteinander weicht.

Dieses Gefühl zu verstetigen, erscheint als beste Voraussetzung dafür, die menschliche Aggressions- und Destruktionsneigung einzudämmen. Die Zusammenarbeit von Völkern und Einzelpersonen in internationalen Organisationen reicht dafür nicht aus. Selbst völkerrechtlich verbindliche Vereinbarungen können nur als flankierende Maßnahme dienen, da es immer wieder möglich ist, dass einzelne Staaten sich stark genug fühlen, um das Völkerrecht zu missachten.

Erst auf einem tragfähigen Fundament können entsprechende Übereinkünfte eine nachhaltige Wirkung entfalten. Und dieses Fundament ist eben ein permanentes, in der alltäglichen Lebenseinstellung verankertes Bewusstsein für die ebenso unvergleichliche wie zerbrechliche Schönheit jedes einzelnen Lebens.

Hier zum Abschluss der Song:

Die Farben des Lebens

In der Abenddämmerung
vermischen meine Gedanken
sich mit den Farben der Natur,
die mich leuchtend durchdringen.

Die Gestalten des Lebens
ziehen an mir vorbei,
ziehen durch mich hindurch.
Ruhig lasse ich sie passieren.

Weit, weit fort trägt mich die Stille
in eine Welt, in der die Farben
die Dinge von innen zum Leuchten bringen.

Verzaubert bleibe ich zurück,
auch als das zauberische Licht erlischt,
im Innersten entflammt
für alles, was sich offenbaren will.

Madredeus: As cores do sol Text: Pedro Ayres Magalhães; Musik: Pedro Ayres Magalhães / Gabriel Gomes aus: O Espírito da Paz (1994)

Live in Lissabon (Dezember 1994):

Albumfassung

Über Madredeus

1986 gründeten Pedro Ayres Magalhães und Rodrigo Leão eine Band, die klassische Musik mit volkstümlichen Elementen kombinierte. Für ihr Projekt orientierten sie sich an der Tradition des portugiesischen Fado-Gesangs sowie an mittelalterlichen Freundschaftsliedern (Cantiga de amigo).

Der Name der Band geht auf das Lissabonner Kloster Madredeus (Muttergottes) zurück, wo die Gruppe ihre ersten musikalischen Gehversuche unternommen und sich auch später immer wieder zu Proben getroffen hat.

Die Band konzentrierte sich bei ihren Auftritten von Anfang an nicht allein auf Portugal, sondern trat auch immer wieder bei Festivals im Ausland auf. So nahm ihre Popularität rasch zu. Endgültig etablierte die Band sich in der internationalen Musikszene, als sie 1994 den Soundtrack zu Wim Wenders‘ Film Lisbon Story beisteuerte und darin auch mit Gastauftritten präsent war.

Nachdem Rodrigo Leão die Band bereits 1994 verlassen hatte, schied 2007 auch die charismatische Sängerin Teresa Salgueiro aus. Bandgründer Pedro Ayres Magalhães rief daraufhin ein neues Musikprojekt ins Leben, mit dem er allerdings nicht an die früheren Erfolge von Madredeus anknüpfen konnte.

Mehr zu Madredeus und zum Fado:

Fado und Novemberblues. Der portugiesische Fado zwischen Tradition und Erneuerung (PDF).

Bilder: Wiktor Wasnjetzow (1848 – 1926): Die Vier Apokalyptischen Reiter (1887); Moskau Russisches Nationales Musikmuseum (Glinka-Museum) / Wikimedia commons; Alfred de Breanski (1852 – 1928): Abendstimmung in einer Bergsee-Landschaft (Wikimedia commons)

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