Welche Qualifikationen benötigt man für die Leitung eines deutschen Bildungsministeriums?
Eine neue Reihe auf rotherbaron wirft einen Blick auf die Qualifikationen der Personen an der Spitze der deutschen Bildungsministerien. Heute werden zunächst Anforderungen für den Top-Job formuliert.
Die Bildungspolitik als Machttrumpf der Länder
Die Bildungspolitik liegt in Deutschland in der Verantwortung der Länder. Eifersüchtig wachen sie darüber, dass der Bund ihnen nicht in die Suppe spuckt.
Selbst Geldgeschenke des Bundes wurden lange Zeit als unzulässige Einmischung abgelehnt. Um sie zu ermöglichen, musste 2018 erst in einem langwierigen Verfahren das Grundgesetz geändert werden.
Die Entscheidungshoheit der Länder im Bereich der Bildung wirft zwei zentrale Fragen auf. Zum einen stellt sich die Frage, wie es mit den ebenfalls grundgesetzlich garantierten „gleichwertigen Lebensverhältnissen“ in allen Teilen Deutschlands (GG, Artikel 72) vereinbar ist, dass die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen hierzulande vom Machtrausch in der Provinz und parteipolitisch geprägter Bildungspolitik abhängig sind.
Zum anderen stellt sich natürlich auch die Frage, wie und ob die Länder ihrer Verantwortung im Bereich der Bildungspolitik gerecht werden. Um sie zu beantworten, ist ein Blick auf das Führungspersonal in den Bildungsministerien hilfreich. Schließlich spiegelt sich darin am unmittelbarsten der Wille wider, die übertragene Verantwortung für die Bildung der Heranwachsenden – und damit letztlich für einen, wenn nicht den entscheidenden Aspekt der Zukunft unserer Gesellschaft – ernst zu nehmen.
Ein Anforderungsprofil für bildungspolitisches Spitzenpersonal
Eine neutrale Instanz, die Kriterien für die Besetzung der Top-Jobs in den Bildungsministerien entwickeln sollte, könnte etwa folgendes Anforderungsprofil entwerfen:
- Einschlägiges Studium in Erziehungs- / Bildungswissenschaften;
- Langjährige Berufserfahrung im pädagogischen Bereich;
- Bildungspolitische Aktivität, dokumentiert durch entsprechende Mitarbeit in Bildungsorganisationen und Verbänden;
- Besonderes pädagogisches Engagement, das die Orientierung am Ideal einer kindgerechten, humanen Bildung dokumentiert.
Diese inhaltlichen Grundqualifikationen müssen ergänzt werden durch Kompetenzen, die sich aus der zu übernehmenden Leitungsfunktion der betreffenden Personen ergeben. Hierzu zählen etwa:
- die Fähigkeit, das komplexe Organisationsgefüge einer Bildungsbehörde bei allen Arbeitsschritten im Blick zu behalten;
- die Fähigkeit, die maßgeblichen Abteilungen an allen sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen;
- die Fähigkeit, Kritik nicht als Majestätsbeleidigung anzusehen, sondern als wichtige Korrekturhilfe für die eigene Politik;
- die Fähigkeit, die eigenen Überzeugungen nach innen und nach außen zu vertreten, dabei aber immer dialog- und kritikbereit zu bleiben;
- die Fähigkeit, das Potenzial von Beschäftigten zu erkennen, es entsprechend zu fördern und einzusetzen.
Anforderungen, die sich aus dem Ministeramt ergeben
Hinzu kommen noch weitere Aspekte, die sich aus der Etymologie des Wortes „Minister“ herleiten lassen. Die Wurzel in dem lateinischen Verb „ministrare“ (dienen) verweist zunächst ganz allgemein darauf, dass Personen, die mit der Leitung eines Ministeriums betraut sind, nie arrogant und überheblich auftreten sollten. Stattdessen gehört es zu ihrem Anforderungsprofil, stets ein offenes Ohr für die Wünsche und Sorgen derjenigen zu haben, denen sie mit ihrer Arbeit dienen.
In einem Bildungsministerium ist dies doppelt wichtig, weil man hier mit der Verantwortung für die geistige Entwicklung junger Menschen betraut ist. Aus der Perspektive der Eltern betrachtet, trägt man Verantwortung für das Kostbarste, was diese haben.
Wer ein Bildungsministerium leitet, sollte sich deshalb stets gesprächsbereit gegenüber Lernenden, pädagogischem Personal und Eltern zeigen. Vor allem aber sollten die betreffenden Personen den Kindern und Jugendlichen signalisieren, dass sie Freude am Umgang mit ihnen haben und alles dafür tun, ihnen den Weg in ein erfülltes Leben zu ebnen.
Die nächsten Beiträge dieser Reihe werden der Frage gewidmet sein, inwieweit die führenden Personen an der Spitze der deutschen Bildungsministerien dem definierten Anforderungsprofil entsprechen. Grundlage sind jeweils die von den Ministerien selbst ins Netz gestellten und auf allgemein zugänglichen Informationsportalen auffindbaren Biographien.
Bild: Alexander Kliem: Thron (Pixabay)