Ein Blick in die Chefetagen der deutschen Bildungsministerien

Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern

Im dritten Teil der Reihe zu den Qualifikationen der leitenden Personen in den deutschen Bildungsministerien richtet sich der Blick heute auf Bremen, Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern.

Bremen

Bremer Senatorin für Kinder und Bildung ist seit Sommer 2021 Sascha Karolin Aulepp. Die 1970 in Hanau geborene Politikerin hat in Bremen und Liverpool Jura studiert. Danach arbeitete sie zwei Jahre lang als Rechtsanwältin und ab 2008 als Zivil- und Jugendrichterin.

Aulepp ist 2005 in die SPD eingetreten und seitdem auch parteipolitisch aktiv. Bereits im Jahr ihres Eintritts in die Partei rückte sie in den Mitarbeiterstab des damaligen Bürgermeisters Jens Böhrnsen auf. 2015 wurde sie Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft, 2016 Landesvorsitzende der SPD. In der Bürgerschaft betätigte sie sich u.a. als Vorsitzende des Rechtsausschusses und als justizpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Als Jugendrichterin hat Aulepp sich zwar mit den Problemen Heranwachsender auseinandersetzen müssen. Über eine spezielle pädagogische Ausbildung oder einschlägige Berufserfahrung im Bildungsbereich verfügt sie jedoch nicht.

Wohl auch deshalb wurde der neuen Ministerin als Staatsrätin Regine Komoss zur Seite gestellt, die als langjährige Leiterin des Schulamts Bremerhaven und als Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Bremen über die nötige Expertise verfügte. Mit dieser überwarf sich Aulepp jedoch bereits wenige Monate nach der Übernahme ihres Amtes, woraufhin Komoss aus ihrem Amt ausschied [1].

Hamburg

Die Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung wird seit 2011 von Ties Rabe geleitet. Der 1960 in Hamburg geborene Politiker hat nach dem Zivildienst Religion, Geschichte und Deutsch für das Lehramt an Gymnasien studiert. Nach dem Studium war er zunächst in der Redaktion verschiedener Lokalblätter tätig, ehe er 2006 eine Stelle als Gymnasiallehrer antrat.

Seit 2001 war Ties Rabe in verschiedenen Funktionen für die SPD tätig. Nach seiner Tätigkeit als Landesgeschäftsführer zog er 2008 in die Hamburgische Bürgerschaft ein, wo er als bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion wirkte und u.a. Mitglied im Schulausschuss war.

Rabe ist nicht nur der dienstälteste, sondern auch der profilierteste deutsche Bildungsminister. Durch seine Funktion als Mitglied im Präsidium der KMK (Kultusministerkonferenz) sowie als Koordinator für Bildung und Wissenschaft der sozialdemokratischen regierten Bundesländer verfügt er über bundespolitischen Einfluss.

In Hamburg ist unter seiner Ägide ein Unterstützungssystem für Schulen etabliert worden, das Schulentwicklung, Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte und Unterstützungsprogramme für die einzelnen Schulen eng aufeinander abstimmt. Dadurch können Synergieeffekte erzielt werden, deren konkrete Wirksamkeit durch ein systematisches Monitoring überprüft wird.

Das Schulsystem in Hamburg ist zudem stark auf sozialen Ausgleich ausgerichtet. Mittel- und Personalzuweisungen sind von den jeweiligen pädagogischen Herausforderungen abhängig, und die Stadtteilschulen eröffnen auch Kindern aus sozial unterprivilegierten Familien und mit erhöhtem Lernbedarf den Weg zum Abitur [2].

Hessen

Das Hessische Kultusministerium wird seit Anfang 2014 von [Ralph] Alexander Lorz geleitet. Der 1965 in Nürnberg geborene Politiker hat nach dem Studium  der Rechtswissenschaften und der Volkswirtschaftslehre in Mainz 1992 in Marburg seine Promotion abgeschlossen und sich 1999 in Mannheim habilitiert. Ein Jahr darauf wurde er zum Professor für deutsches und ausländisches öffentliches Recht an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität berufen.

Ebenso geradlinig wie sein beruflicher Weg ist Lorz‘ parteipolitische Karriere verlaufen: Eintritt in die Schüler-Union mit 12 Jahren, in die Junge Union mit 15 und in die CDU mit 18 Jahren. Über den Landesvorstand der Jungen Union und den Wiesbadener Kreisvorstand arbeitete er sich bis zum Amt des Staatsekretärs im Ministerium für Wissenschaft und Kunst hinauf, das er von 2007 bis 2009 bekleidete. Ehe er zum Kultusminister ernannt wurde, war er weitere zwei Jahre als Staatssekretär in diesem Ministerium tätig.

Lorz verfügt als Hochschullehrer natürlich über Erfahrungen in der Lehre. Diese beziehen sich jedoch auf junge Erwachsene und die Hochschulbildung, sind also kaum auf den Schulalltag übertragbar. Weitergehende bildungswissenschaftliche Qualifikationen und pädagogische Erfahrungen sind nicht vorhanden.

Mecklenburg-Vorpommern

Das Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung von Mecklenburg-Vorpommern wird seit November 2021 von Simone Oldenburg geleitet. Die 1969 in Wismar geborene Politikerin, die im Kabinett von Manuela Schwesig zugleich als stellvertretende Ministerpräsidentin fungiert, hat in Leipzig ein Lehramtsstudium mit den Fächern Deutsch und Geschichte absolviert und 1996 das Zweite Staatsexamen für den Unterricht an Gymnasien abgelegt.

Oldenburg verfügt über langjährige Berufserfahrung als Lehrerin und Direktorin an Regionalen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns. Dieser Schultyp reicht von der fünften bis zur zehnten Klasse, wobei die Lernenden – fächer- oder klassenspezifisch – zwischen einem Haupt- und einem Realschulzweig wählen können. Zuweilen ist den Regionalen Schulen auch eine Grundschule angegliedert.

Oldenburg hat sich zunächst auf kommunaler Ebene für die Partei Die Linke engagiert, ehe sie 2011 in den Landtag gewählt wurde. Seit 2016 hat sie die Fraktion geführt, 2018 wurde sie zur stellvertretenden Landesvorsitzenden der Partei gewählt. In dieser Funktion kritisierte sie die bis zu den letzten Wahlen das Land regierende Große Koalition aus SPD und CDU für die zu geringen Investitionen in die Bildung, die hohe Anzahl von Lernenden pro Lehrkraft und die schleppende Abrufung der Gelder aus dem Digitalpakt, mit dem der Bund die Länder bei der Anpassung an die Bildung in der digitalen Welt unterstützt [3].

Nachweise

[1]    In einer Pressemitteilung der Senatspressestelle wird die Beendigung der Zusammenarbeit zwischen Aulepp und Komoss salomonisch damit begründet, dass „die Zusammenarbeit und die thematischen Schwerpunkte nicht den gegenseitigen Erwartungen entsprachen“ (vgl. Senatorin für Kinder und Bildung: Personeller Wechsel an Behördenspitze der Senatorin für Kinder und Bildung; 30. März 2022).

[2]    Ein guter Überblick über das Schulsystem in Hamburg findet sich auf studienkreis.de; vgl. ferner den unter [2] zitierten Artikel von Henkel-Waidhofer.

[3]    Vgl. Becker, Andreas: Vernichtendes Zeugnis für die MV-Regierung. Nordkurier/dpa, 3. August 2021.

Bild: Collage aus: Wikimedia Commons: Karsten Mosebach / Foto AG Gymnasium Melle: Sascha Karolin Aulepp (September 2015); SPD Hamburg: Ties Rabe bei einem Bürger-Dialog am 26. September 2012; Gerd Seidel: (Ralph) Alexander Lorz (Februar 2013); Steffen Prößdorf: Simone Oldenburg (Juni 2013)

2 Kommentare

  1. Finde ich hochspannend. Vielen Dank für die Zusammenschau!- So lange es nicht nach Kompetenzen geht, sondern danach wer gerade von seiner Partei „hochgereicht“ wird, kann man die Hoffnung auf eine zeitgemäße, innovative Bildungspolitik begraben. Aber: Es kommt schon raus, dass Ties Rabe einer der besseren Verantwortlichen ist.

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