Die geheimen Botschaften des Fernsehens

Wie das Fernsehen sich in unser Bewusstsein schleicht

Neue Sonntagsreihe auf rotherbaron

Das Fernsehen kann uns hypnotisieren, ohne dass wir es merken. Umso empfänglicher sind wir für seine Botschaften, die es oft aussendet, ohne sie offen auszusprechen. – Ein Blick hinter die Kulissen der bunten Bilder.

Abendliches Mattscheiben-Meeting

Viele von uns hängen abends vor der Glotze ab. Und ich gestehe an dieser Stelle freimütig: Auch ich gehöre zu diesem nicht sehr erlauchten Kreis.

Ich weiß, in der digitalen Welt lässt sich der Mensch eigentlich nicht mehr von dem großen Fernsehzauberer durch seine Programmstuben führen. Stattdessen stellt er sich seine Programminhalte ganz bewusst aus Mediatheken sowie Netflix, Amazon und Co. zusammen.

Allerdings wandern ja nun einmal bei weitem nicht alle Inhalte später in die Mediathek. Außerdem hat auch das bewusste Auswählen so seine Tücken. Vor allem besteht dabei eine ähnliche Gefahr wie bei den Echoräumen in den sozialen Netzwerken: Man wählt immer das aus, was man schon kennt, so dass am Ende alle in ihre jeweilige Interessenblase eingesperrt bleiben.

Wer sich im frei empfangbaren Fernsehen bedient, hat vor allem den Nachteil, sich an die dort vorgegebenen Sendezeiten anpassen zu müssen. Dem steht aber der Vorteil gegenüber, immer wieder etwas Neues, ganz Anderes kennenzulernen, das ansonsten vielleicht nicht die erste Wahl gewesen wäre.

Und dann gibt es da ja auch noch diese ganz besonderen Events, bei denen wir uns alle wie bei einem virtuellen Powwow um den Bildschirm versammeln: den European Song Contest, bedeutende Sportereignisse, die Mondlandung … Natürlich lässt sich all das auch später irgendwo im Internet nacherleben – aber es hat dann eben doch den schalen Beigeschmack von abgestandenem Kaffee.

Der Sirenengesang des Fernsehens

Die Mäkel-Reise durch die deutsche Fernsehwelt, die ich in den nächsten Wochen unternehmen werde, beruht also nicht auf einer fundamentalen Ablehnung des Mediums Fernsehen. Mein Versuch, die geheimen Botschaften des Fernsehens zu entschlüsseln, zielt lediglich darauf ab, das ins Blickfeld zu rücken, was das Fernsehen aussagt, ohne es offen auszusprechen.

Dies bedeutet übrigens nicht unbedingt, dass hier jemand – wie die PR-Strategen aus der Werbebranche – gezielt versuchen würde, uns hinterrücks in seinem Sinne zu beeinflussen. Oft sind es eher das Medium selbst oder die Programmstruktur, welche die Inhalte in einer bestimmten Weise einfärben, unabhängig von den Intentionen der redaktionell Verantwortlichen.

Mein Blick hinter die Kulissen der bunten Bilder soll dazu dienen, die Sinne hierfür zu schärfen. Schließlich sind wir, wenn wir abends lustvoll lümmelnd dem Schlaf entgegendämmern, besonders anfällig für die geheimen Botschaften des Fernsehens.

Denn das Fernsehen soll ja gerade der Entspannung dienen. Je entspannter wir aber sind, desto anfälliger sind wir für unterschwellige Beeinflussungen; desto wahrscheinlicher ist es, dass der Torwächter unseres Bewusstseins Inhalte durchwinkt, die wir, wären wir im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte, kaum passieren lassen würden. Das Fernsehen ist, so betrachtet, wie ein geschickter Hypnotiseur, der unsere geistigen Widerstände herabsetzt, damit wir uns für seine Botschaften öffnen.

Allerdings geht es mir hier ein wenig wie Odysseus mit den Sirenen: Einerseits möchte ich dem Sirenengesang des Fernsehens nicht vollständig erliegen, andererseits ist es mir aber auch angenehm, mich abends darin zu verlieren. Meine Kritik fällt demzufolge wohl teilweise auch deshalb etwas heftiger aus, weil mir an dem Objekt meiner Kritik etwas liegt. Wäre ich ein Fernseh-Abstinenzler, könnte mir das Fernsehen schlicht egal sein.

Alkoholsucht und Fernsehsucht

Bei der Alkoholsucht wird bekanntlich von verschiedenen Phasen ausgegangen. In einer späten Phase nehmen die Betreffenden schon nach dem Aufstehen den ersten Schluck aus der Flasche, in einer frühen Phase bezieht sich die Abhängigkeit lediglich auf die leichte Sedierung, welche die Droge ermöglicht.

Wenn ich dieses Stufenmodell auf das Fernsehen übertrage, wäre die Lage bei mir wohl noch nicht so hoffnungslos wie in Nina Hagens herrlichem Punk-Song TV-Glotzer. Auf der ersten Abhängigkeitsstufe müsste ich mich aber wohl schon einordnen.  Ich schaue zwar nicht gleich morgens in die Röhre – abends würde ich aber, wie das Ehepaar aus Loriots berühmtem Sketch, unruhig werden, wenn der Fernseher seinen Geist aufgeben oder gar der Strom ausfallen sollte.

Sogar den Werbepausen kann ich etwas abgewinnen. Sie sind nicht nur wohltuend für meine Blase, sondern entlasten auch die Augen und senden ein willkommenes Signal für den Gang zur Küche, um die nächste Chipstüte startklar zu machen.

Natürlich bräuchte ich in den Werbepausen keine Werbung, um die Pausen zu genießen. Ohne Werbung gäbe es aber eben auch keine Pausen. Und die Pausen lassen sich ja wiederum nur deshalb als Pausen genießen, weil sie den Süchtigen für ein paar Minuten aus den Fängen seiner oft angenehmen, zuweilen aber auch quälenden Sucht befreien. 

Links:

Nina Hagen & Band: TV-Glotzer (Text zur Melodie eines Songs von The Tubes: White Punks on Dope)

Loriot: Szenen einer Ehe: Der  Fernsehabend

9 Kommentare

  1. Lieber Rother Baron,
    ich staune darüber, dass Du die Nerven hast, abendlich vor der Glotze zu hängen. Die verzerrte und propagandistische Darstellung der Wirklichkeit, die in den öffentlich-rechtlichen Sendern dargeboten wird, ist mir physisch unerträglich. Nur dann, wenn ich auf ein neues Machwerk zur Windkraft oder anderen Formen der Umweltzerstörung aufmerksam gemacht werde, reiße ich mich zusammen und schaue mir den Schund diszipliniert an. Zuletzt habe ich mir den Film „Streitfall Windenergie“ in der ZDF-Mediathek angesehen (https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-streitfall-windenergie-100.html).

    Zuerst wird lustvoll eine durch eine Windkraftanlage getötete Fledermaus von einer Mitarbeiterin des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V. seziert und die Geschichte ihrer Tötung launig und drollig erzählt. Diese Leichenfledderer leben davon, dass wider das Europäische Recht (FFH-Richtlinie) massenhaft und wahllos Fledermäuse getötet werden. Je mehr Fledermäuse sterben, umso mehr Forschungsgelder werden generiert. Also kein Wort der Kritik oder gar des Protests. Das Institut erzählt uns regelmäßig, dass Fledermäuse ein gefährliches Leben (https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2020/10/15/das-leibniz-institut-fur-zoo-und-wildtierforschung-der-nabu-und-inforadio-kennen-den-artikel-20a-gg-nicht/) und Dr. Gudrun Wibbelt manscht nicht zum ersten Mal vor der Kamera vergnüglich rum (https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2019/10/15/die-ard-prasentiert-von-der-windindustrie-begangene-rechtsverstose-als-akzeptable-probleme/).

    Dann wird gezeigt, wie ein Greifvogel von einer Windkraftanlage erschlagen wird. Alles wird als hässliche, aber rechtskonforme und folglich zu akzeptierende Realität dargestellt. Art. 20a GG wird nicht erwähnt. Die Rechts- und Verfassungswidrigkeit der deutschen Gesetze wird nicht thematisiert. Gefühle werden unterdrückt oder sind bei den Helfershelfern und Handlangern des Finanzkapitals überhaupt nicht mehr vorhanden.

    Nach dem Ansehen der Tötung des Greifvogels musste ich mich übergeben. Dabei ist eine Schleimhaut in der Speiseröhre aufgerissen, sodass ich mehrere Liter Blut erbrochen, einen Tag lang neben meinem Hund kraftlos auf dem Fußboden gelegen und eine Woche im Krankenhaus zugebracht habe. Ich ertrage die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender nur noch in der satirischen Form, in welcher Tim Kellner sie aufarbeitet, obwohl ich sein Verfahren, den durch die Untaten der Bundestags- und Regierungsmitglieder entstehenden Unmut gegen deren menschliche Schutzschilder (Migranten, Transgender usw.) zu lenken, sehr missbillige. Aber vielleicht stumpft und härtet man sich genügend ab, wenn man sich „den ganzen Rotz“, wie Tim Kellner es nennt, jeden Tag reinzieht. Mir täte es um die Lebenszeit leid.

    Es deprimiert mich, ein Regime, das demjenigen, gegen das ich 1989 auf die Straße gegangen bin, wie ein Ei dem andern gleicht, und seine totalitäre Propaganda wiederkehren zu sehen. Auf Deine Beiträge bin ich gespannt.
    Herzliche Grüße
    Dein René

    Kommentar zu Rother Baron: Die geheimen Botschaften des Fernsehens


    https://www.windwahn.com/

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  2. Bin gespannt auf Deine Kritik. Ich stehe in einem ähnlichen Stadium der Sucht wie Du, muss aber gestehen: Ich gucke nur selten deutsches Fernsehen, nicht zuletzt wegen der äusserst lückenhaften Untertitelung.

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