Filtrationslager: Die „Filterung“ erbeuteten Menschenmaterials
Seit dem Flirt zwischen Trump und Putin wird „Frieden“ aus der Befriedigung der Ansprüche des Aggressors abgeleitet. In einer mehrteiligen Reihe wird daher auf rotherbaron.com noch einmal systematisch auf die russischen Verbrechen in der Ukraine eingegangen.
Im Horrorkabinett des Krieges
Seit der White-House-Hominide in Washington mit seinem Busenfreund Wladimir in Moskau kungelt, hat sich der Ton in der Berichterstattung über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine spürbar verändert.
Bislang war klar: Dass ein so brutaler Terrorangriff gegen ein ganzes Volk mit der Belohnung der Gewalttäter endet, ist nicht hinnehmbar. Nun wird aber auf einmal so getan, als wäre eben dies ein Weg zum Frieden. Anstatt den Aggressor für seine Verbrechen zahlen zu lassen, werden dem Opfer die Kosten für den Überfall aufgebürdet.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, noch einmal etwas systematischer auf die von der Kreml-Riege in der Ukraine veranlassten Verbrechen einzugehen. Eben dies soll in den kommenden Tagen auf diesem Blog in einer fünfteiligen Reihe geschehen.
Auf eine kurze Übersicht über die Art des jeweiligen Verbrechens werden dabei jeweils Links zu weitergehenden Informationen und zu einer literarischen Miniatur zum Thema aus der Ukrainischen Apokalypse von Zacharias Mbizo folgen. Mit diesem multiperspektivischen Vorgehen ist die Hoffnung verbunden, die Empathie für das, was in der Ukraine geschehen ist, zu erhöhen.
Teil 1 der Reihe beschäftigt sich mit den von der russischen Regierung in den besetzten Gebieten eingerichteten Filtrationslagern.
Menschenverachtender Zweck von Filtrationslagern
„Filtrationslager“ bedeutet: Du marschierst in ein fremdes Land ein und verleibst dir dort nicht nur Territorien ein, sondern versuchst auch, dir das dort vorhandene „Menschenmaterial“ nutzbar zu machen. Dafür richtest du Lager ein, in denen du dieses Material nach den Kategorien „brauchbar“, „eingeschränkt brauchbar“ und „unbrauchbar“ sortierst.
Das als „eingeschränkt brauchbar“ eingestufte Material bearbeitest du so lange, bis es entweder brauchbar ist oder doch als „unbrauchbar“ verworfen werden muss. Unbrauchbares Material nutzt du als Übungsfeld für die Bearbeitung des eingeschränkt brauchbaren Materials.
„Filtrationslager“ meinen demnach genau das, was der Name sagt: Das Menschenmaterial wird darin wie brackiges Wasser gefiltert, um das im Sinne des Eroberungsstaates „reine“ Material zurückzubehalten. „Rein“ bedeutet im konkreten Fall: bereit zur kompromisslosen Unterordnung unter die russische Vorherrschaft und die damit zusammenhängenden Wertsetzungen.
Filtrationslager als Paradies für Sadisten
In der Praxis sind Filtrationslager – ebenso wie Gefangenenlager – vor allem eines: ein Schlaraffenland für Sadisten. Denn unter der „Bearbeitung“ des Menschenmaterials ist natürlich in erster Linie Folter zu verstehen.
Der Phantasie der Folterer sind dabei keine Grenzen gesetzt. Alles ist erlaubt, alles ist möglich: von gezielten Faustschlägen über Schlafentzug und nächtliche Verhöre bis hin zu Stromschlägen an den Genitalien.
Gleiches gilt für die Frage, wie „Reinheit“ definiert werden soll. Auch hier sind dem Einfallsreichtum der Folterer keine Grenzen gesetzt. Vielfach reicht es schon aus, weiterhin an die Existenz des ukrainischen Staates oder gar des ukrainischen Volkes zu glauben – oder auch nur den Namen „Ukraine“ in den Mund zu nehmen. Auch wird immer wieder verlangt, den Folterern Daten für die Eliminierung von Feinden zu liefern, sprich: Freunde und Bekannte zu verraten.
Unerlässlich ist es zudem, rechtzeitig sämtliche Daten auf dem Handy zu löschen, bevor man in die Fänge eines Filtrationslagers gerät. Sind darauf auch nur Andeutungen des Bekenntnisses zu einer freien Ukraine zu finden, ist das Spiel ohnehin verloren, ehe es begonnen hat.
Literarische Miniatur zum Thema: Hexenprozesse
Links
Barth, Rebecca: Schockierender Bericht aus russischer Haft. Tagesschau.de, 16. Juli 2022 (Bericht eines 16-Jährigen, der 90 Tage in russischer Haft verbringen und dabei die Folterungen seiner Mithäftlinge miterleben musste).
Kunyzkyj, Oleksandr: Demütigung in Mariupol: „Filtrationslager“ und Flucht. Deutsche Welle, 28. April 2022.
Lysenko, Yana: „Filtration“: System, Ablauf, Ziele. In: Ukraine-Analysen Nr. 275 vom 29.11.2022, S. 5 – 10. Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen; bpb.de (Bundeszentrale für politische Bildung).
Werner, Sarah: Die grausamen Zeugnisse russischer Folter in der Ukraine. Focus.de, 1. August 2022.
Bild: Stefan Keller: Trauer (Pixabay)