Jahresrückblick 2025/2
Die von der Kreml-Riege in der Ukraine initiierten Verbrechen verschwinden immer mehr im Schatten des US-amerikanischen Dealmaker-Diktats. Deshalb gibt es an dieser Stelle noch einmal eine PDF mit einer kurzen Übersicht über diese Verbrechen.
Erschöpfte Empathie, stumpfes Völkerrecht
Der Umgang der Weltgemeinschaft mit dem russischen Überfall auf die Ukraine entspricht einer doppelten Bankrotterklärung. Er offenbart erstens die Schwäche menschlicher Empathie und Hilfsbereitschaft und zweitens die mangelnde Durchschlagskraft des Völkerrechts.
Zu Beginn des Krieges hatte das noch ganz anders ausgesehen. Da gab es weltweit Solidaritätskundgebungen mit der Ukraine, und die Weltgemeinschaft zeigte sich entschlossen, der russischen Aggression entgegenzutreten. Die EU beschloss, mit der USA an ihrer Seite, ein Sanktionspaket nach dem anderen, in den Vereinten Nationen wurden mit großer Mehrheit Protestresolution gegen das Vorgehen des Kremls verabschiedet.
Mittlerweile hat sich der Wind jedoch gedreht. Die Entschlossenheit und die Zuversicht, dem Aggressor die Stirn bieten zu können, sind dahin. Die EU ist zerstritten, zuletzt hat sie sich vor aller Welt beim Ringen um die Bereitstellung der in Belgien lagernden russischen Zentralbankmilliarden für die Ukraine blamiert. Ihre Sanktionspakete haben sich – auch durch die Unterstützung der Big Player Indien und China für Russland – als unzureichend erwiesen, die USA haben die Seiten gewechselt.
Erpressungsgespräche als Friedensverhandlungen
Dieser Wandel spiegelt sich auch in einem veränderten Zungenschlag in der Berichterstattung über den Krieg wider. Auf einmal ist es die Ukraine, die zu Zugeständnissen bereit sein soll. In einer perversen Umkehr der Logik wird dem Opfer die Verantwortung für die Beendigung der Aggression, der es ausgesetzt ist, aufgebürdet.
Gleichzeitig wird über die Verbrechen, die das Kreml-Regime nach wie vor tagtäglich in der Ukraine verüben lässt, nur noch am Rande berichtet. Im Vordergrund stehen stattdessen die angeblichen Friedensverhandlungen, bei denen in Wahrheit eine Drückerkolonne US-amerikanischer Geschäftsleute die Ukraine aus purem Profitinteresse zur Kapitulation drängt.
Seltsam ist allein schon die Akzeptanz des Verhandlungsgedankens bei fortdauernden Angriffen der russischen Armee auf die ukrainische Zivilbevölkerung. Der zutreffende Ausdruck wäre hier eher „Erpressungsgespräche“. Denn die Logik dieser Gespräche lautet ja eben: Entweder ihr geht auf unsere Forderungen ein, oder wir morden weiter.
Umdeutung der Realität als Kompensation einer narzisstischen Kränkung
Dass die Weltgemeinschaft sich hierauf eingelassen hat und diese Ungeheuerlichkeit achselzuckend hinnimmt, hat mehrere Gründe. An erster Stelle steht dabei natürlich der Einzug der Autokratenclique um Donald Trump ins Weiße Haus – von Personen also, die desselben Geistes Kind sind wie die Geheimdienstriege im Kreml.
Dies erklärt jedoch nur den radikalen Schwenk im Umgang mit den Terrorpaten im Kreml – nicht jedoch die weitgehende Bereitschaft, die veränderte Sicht auf den Zivilisationsbruch und die neue Diktion bei der Berichterstattung darüber hinzunehmen. Hier spielt uns eher die Schwäche der menschlichen Psyche einen Streich.
Im Kern scheint die geistige Kapitulation vor den Kreml-Verbrechen auf dem Gefühlskomplex einer narzisstischen Kränkung zu beruhen. Als nach dem anfänglichen Solidaritätswirbel und Hilfsbereitschaftssturm, den UN-Resolutionen und Sanktionspaketen alles beim Alten blieb, stand das stolze Ich des Westens nackt und gekränkt da: Es hatte sich überschätzt, die eigenen Kräfte hatten nicht gereicht, um der Aggression Einhalt zu gebieten.
Anstatt sich dies aber einzugestehen und den Widerstand zu stärken, die Schuld also bei sich selbst zu suchen, nahm man schlicht den Pinsel zur Hand und malte sich eine andere Realität. Und in dieser Realität muss man sich nun nicht mehr von einem übermächtigen Aggressor in die Schranken weisen lassen, sondern kann einfach von dem Opfer verlangen, sich um des lieben Friedens willen einfach ein wenig mehr vergewaltigen zu lassen. Und voilà – Kränkung abgewendet!
Die Logik der Gewalt: im Zweifel stärker als die Logik des Rechts
Dass die Kräfte nicht ausgereicht haben, um sich dem Aggressor entgegenzustemmen, hat seinen Grund wiederum auch nicht nur in der neuen Best-Buddy-Zweisamkeit zwischen den Potentaten im Weißen Haus und im Kreml. Es liegt vielmehr auch an der Logik des Völkerrechts und der des Rechtsgedankens im Allgemeinen.
Von Anfang an lautete die Maxime: Wir wollen uns dem Aggressor mit aller Macht in den Weg stellen – aber auf seine Stufe wollen wir uns nicht herabbegeben. Soll heißen: Der Aggressor sollte in erster Linie mit den Mitteln des Rechts zurückgeschlagen werden. Gewalt sollte nur dort eingesetzt werden, wo es zur Verteidigung unbedingt notwendig war.
Das Recht bleibt jedoch ein stumpfes Schwert, wenn ein Aggressor es nicht anerkennt und stark genug ist, um sich darüber hinwegzusetzen. In einem solchen Fall wird sich immer die Logik der Gewalt durchsetzen. Entweder bekommt der Aggressor am Ende, was er haben will, oder die Angegriffenen wehren sich mit denselben Mitteln, die auch ihr Angreifer anwendet.
In beiden Fällen müssen sich die Angegriffenen der Logik der Gewalt beugen. In letzterem Fall besteht aber wenigstens die Aussicht, dass der Aggressor nicht die Ernte einfährt, die er sich von seinen Verbrechen erhofft. Damit wird ihm und möglichen Nachahmern auch der Appetit auf weitere derartige Raubzüge genommen.
The Russian Horror Torture Show: PDF zu den russischen Kriegsverbrechen
Unabhängig von den Konsequenzen, die bei einem Erfolg der Kreml-Aggression drohen, haben die dabei begangenen Verbrechen mittlerweile monströse Ausmaße angenommen. Darüber einfach hinwegzugehen, wäre nicht nur ein Rückfall in vorzivilisatorische Zeiten. Es wäre schlimmer als das, weil es die Begehung von vorzivilisatorischen Verbrechen mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts als neuen Standard des Umgangs miteinander akzeptieren würde.
Deshalb gibt es an dieser Stelle noch einmal eine Übersicht über die von der Kreml-Camarilla initiierten Verbrechen in PDF-Form. Sie gliedert sich in die Bereiche Terror gegen die Zivilbevölkerung, Kindesentführungen, Terror gegen die Zivilbevölkerung, Vergewaltigungen als Mittel der Kriegsführung, Folter und Umerziehung in Filtrationslagern und Umweltverbrechen.
PDF: The Russian Horror Torture Show
Bild: Arthur Burdett Frost (1851 – 1928): Tortured, unaided and alone (Gequält, hilflos und allein); Buchillustration aus dem Jahr 1901 zu dem Gedicht- und Erzählband Rhyme? and Reason? von Lewis Carroll (Wikimedia commons)
Die Ungeheuerlichkeit des russischen Überfalls auf die Ukraine wird mehr und mehr verdrängt. Danke für den Versuch, diese Verdrängung zu stören!
LikeLike