Zu Manu Chaos Song Calle (Straße)
Der Song Calle (Straße) von Manu Chao benennt collagenartig verschiedene Aspekte weiblicher Prostitution. Dies regt dazu an, über Formen des Umgangs mit der Prostitution nachzudenken.
Die Straße
Man nennt mich "die Straße",
die, die auf Pflastersteinen geht,
die verlorene Rebellin.
Man nennt mich "die Straße",
"die Straße" bei Tag und bei Nacht.
Man nennt mich "die Straße",
die, die sich heute so müde fühlt
und so leer, die wie eine kleine Maschine
in dieser großen Stadt pulsiert.
Man nennt mich "die Straße",
die, die in dein Auto steigt,
die Straße des Unglücks,
wund und müde vom vielen Lieben.
Ich gehe auf und ab auf der Straße,
ich erniedrige mich nicht, auch nicht,
um zu überleben, die Straße ist mein Stolz.
Ich weiß, einmal wird er kommen, der Tag,
der Tag, an dem das Glück mich aufsuchen wird.
Dann wird mich ein Märchenprinz befreien
und mir eine Liebe ohne Bezahlung schenken.
Meinen Körper kann man mieten –
aber nicht mein Herz.
Man nennt mich "die Straße",
die, die leidet unter deiner Liebe.
Man nennt mich "die Straße",
die, die traurig ist vom vielen Lieben.
Man nennt mich "die Straße",
die, die ohne Zukunft ist.
Man nennt mich "die Straße",
die, die ohne Ausweg ist.
Man nennt mich "die Straße",
immer wieder "die Straße",
die, auf der die Frauen hin und her stolzieren
wie eine kleine Maschine,
die in dieser großen Stadt pulsiert.
Man nennt mich "die Straße",
die, die leidet unter deiner Liebe.
Man nennt mich "die Straße",
die, die traurig ist vom vielen Lieben,
"Straße", "Straße", immer wieder "Straße".
Zu jeder Zeit ruft man nach mir,
zur Unzeit rühmt man meine Schönheit.
Man nennt mich "Hure" und "Prinzessin",
die, deren Adel "die Straße" ist.
Man nennt mich "die Straße",
die, die leidet unter deiner Liebe.
Man nennt mich "die verlorene Straße",
die, die traurig ist vom vielen Lieben.
Man nennt mich Puri*, Carmen, Carolina*,
Viviana, Pereyra, Masa, Marga, Baby,
Marcela, Jenny, Tatjana, Rudy, Monika
und immer wieder Maria, Maria.
Man nennt mich "die Straße" oder "Carolina",
die, die leidet unter deiner Liebe.
Man nennt mich "die Straße", "Puri" oder
"Carolina", die traurig ist vom vielen Lieben.
Manu Chao mit der Band Radio Bemba: Calle (2005) Aus: La Radiolina (Das kleine Radio; 2007)
* Puri: Kurzform für „Purificación“ (Läuterung/Reinigung), ein auch als weiblicher Vorname gebräuchliches Wort
** Carolina: verweist als weibliche Form von „Karl“ („der Freie“) auf eine unabhängige, ungebundene Frau
Videoclip:
Selbst- und Fremdwahrnehmung von Prostituierten
Der 1961 in Paris geborene baskisch-galicische Sänger Manu Chao ist dafür bekannt, seine Songs als Klangcollagen anzulegen, in denen er verschiedene Arten von Alltagssounds mit seiner Musik verbindet. In dem Song Calle hat er dieses Kompositionsprinzip auch auf die Ebene des Textes übertragen.
Das Lied ist zuerst 2005 als Teil des Films Princesas (deutscher Titel „Prinzessinnen der Straße“) von Fernando León de Aranoa erschienen, zu dem Manu Chao den Soundtrack geschrieben hat. Der Film schildert das Schicksal von zwei Madrider Prostituierten.
Kaleidoskophaft werden in dem Song verschiedene Aspekte und Sichtweisen von weiblicher Prostitution – die rund 90 Prozent der gesamten Prostitution ausmacht [1] – miteinander verwoben. Dabei gehen Eigenperspektive der Prostituierten und Außensicht ineinander über.
Auf der Ebene der Selbstwahrnehmung der Prostituierten thematisiert der Text etwa folgende Aspekte:
- das Nebeneinander von stolzer Ablehnung der bürgerlichen Normen und Verlorenheitsgefühlen, wie sie sich aus dem Paria-Status von Prostituierten ergeben;
- das Leiden an dem Reduziertwerden auf den eigenen Körper bei gleichzeitigem Beharren auf der Fiktion der hierdurch unberührten Seele;
- das Gefühl, wie eine Sexmaschine behandelt zu werden, die durch das Einwerfen von Geld betätigt werden kann;
- den Widerwillen gegenüber den leeren Komplimenten, die lediglich auf eine leichtere Unterwerfung und eine Reduzierung des Preises für die erbrachten Leistungen abzielen;
- die psychische und physische Erschöpfung, die sich aus der Ausbeutung des eigenen Körpers und den damit einhergehenden Gewalterfahrungen ergibt;
- die Einsicht in die verlorene Zukunft bei gleichzeitiger Hoffnung auf das Wunder der Errettung durch einen Märchenprinzen, der den Menschen hinter dem Körper sieht und lieben lernt.
Die Fremdwahrnehmung der Prostituierten wird thematisiert über
- die jederzeitige Verfügbarkeit der Frauen, die von der Straße aufgelesen werden können wie reife Früchte;
- das Klischee der heiligen Hure, die sich als eine Art von Maria Magdalena bereitwillig für die Löschung des männlichen Lustfeuers zur Verfügung stellt und so eine kathartische Wirkung in ihnen auslöst, ihren Geist also von der Bindung an das Fleisch befreit;
- die Vorstellung einer selbstbewussten femme fatale, die sich freiwillig prostituiert, um sich ihre Unabhängigkeit zu bewahren.
Prostitution als Ausdruck struktureller und Ventil für körperliche Gewalt
Während im Text zumindest auf der Ebene der Selbstwahrnehmung der Prostituierten der skeptische Blick auf die eigene Situation überwiegt, vermitteln Musik und Videoclip zu dem Song ein eher heiteres Bild. Dies mag dem Bestreben geschuldet sein, ein würdevolles Bild der Frauen zu zeichnen, anstatt sie durch die Zurschaustellung ihres Elends zusätzlich zu erniedrigen. Der Realität der Prostitution wird dieses Bild jedoch kaum gerecht.
So stellt sich zunächst die Frage, warum es angesichts der Flut von Dating-Portalen im Netz überhaupt noch Männer gibt, die sich sexuelle Dienstleistungen erkaufen. Offensichtlich spielt dabei das Gefühl, durch die Reduzierung der Frau auf eine käufliche Ware Macht ausüben zu können, eine nicht geringe Rolle. Damit aber ist Prostitution ein Ausdruck struktureller Gewalt. Sie stützt das Bild der Frau als Opfer und Verfügungsmasse männlichen Dominanzstrebens.
Es liegt in der Logik dieser strukturellen Gewalt, dass sie im Alltag der Prostitution auch immer wieder in konkrete Gewalt übergeht. Empirische Studien sind angesichts des Drucks, unter dem die Frauen stehen (s.u.), in dem Umfeld zwar nur schwer durchzuführen. Die wenigen vorhandenen Untersuchungen legen jedoch nahe, dass Angst vor körperlichen Übergriffen bei Prostituierten an der Tagesordnung ist und ein Großteil auch bereits körperliche Gewalt und Vergewaltigungen erlebt hat [2]. Die Dunkelziffer ist dabei aufgrund von Berührungsängsten mit den Behörden als hoch einzuschätzen.
Verschiedene Formen des staatlichen Umgangs mit Prostitution
Als Konsequenz hieraus sind in Schweden bereits 1999 Kauf und Vermittlung sexueller Dienstleistungen unter Strafe gestellt worden – während die Prostituierten selbst straffrei bleiben [3]. Dieses so genannte „nordische Modell“ ist seither auch von anderen Ländern übernommen worden [4] .
So steht die Inanspruchnahme von Prostitution auch in Frankeich seit 2016 unter Strafe. Neben Geldzahlungen sieht das Gesetz auch die Teilnahme an Kursen zur Aufklärung über gewalt- und herrschaftsfreie Beziehungen zwischen den Geschlechtern vor.
Deutschland ist einen anderen Weg gegangen. Hierzulande ist Prostitution seit der Verabschiedung eines veränderten Prostitutions- und eines Prostituiertenschutzgesetzes im Jahr 2017 legal. Dies ist verbunden mit einer Kondompflicht für Freier, einer Meldepflicht und einer Pflicht zur Gesundheitsberatung für Prostituierte, behördlichen Überprüfungen von Bordellen und einer rechtlichen Absicherung der Prostituierten bei der Einforderung des Lohns für ihre Dienstleistungen [5].
Der verharmlosende Begriff der „Sexarbeit“
Die Gesetzesänderung hat auch zu einer Verstärkung der Tendenz geführt, statt von „Prostituierten“ von „Sexarbeiterinnen“ zu sprechen. Dies beruht zum Teil auch auf dem Wunsch, den negativ konnotierten Begriff „Prostitution“ zu vermeiden. Im gegebenen Zusammenhang kommt es aber vor allem dem Interesse des Staates entgegen, sexuelle Dienstleistungen als gewöhnliche Arbeit zu definieren – und dadurch auch entsprechende Steuern darauf erheben zu können.
So drückt sich in dem Begriff auch die Gleichsetzung von „Erwerbstätigkeit“ und „Arbeit“ in der modernen Industriegesellschaft aus. Aspekte wie Selbstverwirklichung und eine kreative Anverwandlung der Umwelt sind dabei gänzlich verloren gegangen. Stattdessen werden auch ausbeuterische und entfremdende Tätigkeiten als „Arbeit“ definiert und damit normalisiert.
Schutz von Prostituierten: Traum und Wirklichkeit
Ziel der Gesetzesänderung in Deutschland war es, den Prostituierten zu mehr Selbständigkeit und Sicherheit zu verhelfen. Schaut man auf die Statistik, so wird jedoch schnell klar, dass dieses Ziel verfehlt worden ist.
Unter den Anmeldungen für ein Prostitutionsgewerbe entfiel 2024 der Großteil (93 Prozent) auf Bordelle und andere Erotikbetriebe. 83 Prozent der 32.300 angemeldeten Prostituierten hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit [6].
Natürlich dürfte auch hier die Dunkelziffer wieder hoch sein. Ausländische Prostituierte ohne geregelten Aufenthaltsstatus tauchen in der Statistik natürlich nicht auf. Und wer sich im privaten Rahmen prostituiert, wird dies auch nicht unbedingt dem Finanzamt auf die Nase binden.
Dennoch sprechen die Zahlen nicht dafür, dass die Prostituierten durch die Gesetzesänderung mehr Selbstständigkeit erlangt haben. Die Bindung an Bordelle bedeutet selbst bei deren behördlicher Kontrolle die Abhängigkeit von den Bordellbetreibern und ihren oft wenig zimperlichen – um nicht zu sagen offen kriminellen – Hintermännern.
Gleichzeitig deutet die Tatsache, dass der Großteil der angemeldeten Prostituierten aus dem Ausland stammt, auf die Ausnutzung von finanziellen Notlagen, wenn nicht sogar auf Frauenhandel hin. Auch die in der Regel fehlenden sozialen Netzwerke in Deutschland, prekäre Unterbringungsformen und mangelnde Sprachkenntnisse können die Abhängigkeit von den Prostitutions-Paten verstärken. Bei Frauen, die sich ohne behördliche Genehmigung in Deutschland aufhalten, kommt noch die Angst hinzu, im Falle eines Aufbegehrens gegen inhumane Umgangsformen den Behörden gemeldet und in der Folge ausgewiesen zu werden.
Schwierige Durchsetzbarkeit eines völligen Prostitutionsverbots
Dies könnte zu der Schlussfolgerung führen, dass man besser dem nordischen Modell folgen und die Inanspruchnahme oder Vermittlung von Prostitution auch in Deutschland unter Strafe stellen sollte. Auch dies erweist sich jedoch bei näherem Hinsehen als nicht ganz unproblematisch.
So hat das „nordische Modell“ in Schweden dazu geführt, dass auch Frauen, die sich freiwillig prostituieren, bei Bekanntwerden ihrer Aktivitäten samt ihrem familiären Umfeld gesellschaftlich geächtet sind [7]. Andererseits hat die strenge Gesetzgebung nicht verhindern können, dass dort weiterhin „Escort-Services“ angeboten werden [8].
Die Frauen bewegen sich dabei allerdings in einem rechtsfreien Raum. Zwar können sie selbst für ihr Tun nicht belangt werden, doch sind dafür auch die Möglichkeiten zur Durchsetzung von Gesundheitsschutz und angemessener Bezahlung reduziert. Denn wenn der Einkauf sexueller Dienstleistungen als illegal gilt, kann auch nicht kontrolliert werden, ob er sich in einem moralisch und hygienisch einwandfreien Rahmen vollzieht.
In Frankreich haben kriminelle Netzwerke daraus sogar ein Geschäftsmodell entwickelt: Sie locken Frauen aus Südamerika nach Frankreich und bringen sie dort dazu, sich zu prostituieren [9]. Da das Anbieten sexueller Dienstleistungen legal ist, muss die Polizei die Hintermänner ausfindig machen, um die Ungesetzlichkeit des Handelns nachzuweisen. Dies erweist sich jedoch als schwierig, da die Frauen – aus Unkenntnis ihrer Rechte, weil sie sich illegal im Land aufhalten oder weil sie selbst von der Prostitution zu profitieren hoffen – ihre Zuhälter in der Regel nicht anzeigen.
Der Erfolg dieses Geschäftsmodells ist natürlich auch auf die ungebrochene Nachfrage nach entsprechenden Angeboten zurückzuführen. Offenbar lassen Männer, denen die Unterwerfung von Frauen Lust bereitet, sich auch durch Verbote und Strafen nicht von ihrem Tun abhalten.
Dies gilt sogar für offen gewalttätige Formen sexueller Nötigung. So gibt es im Netz ganze Sammlungen von Videos, in denen Männer die Vergewaltigung von Frauen nach der Verabreichung von Betäubungsmitteln dokumentieren und dafür von anderen Männern bewundert werden [10]. Einfache Prostitution dürfte sich folglich erst recht nicht für immer aus der Welt schaffen lassen.
Grundvoraussetzungen für einen realistischen Umgang mit Prostitution
Sowohl das vollständige Verbot der Inanspruchnahme von Prostitution wie deren Legalisierung unter Auflagen sind damit nicht zielführend. Eine vernünftige Regelung der Prostitution müsste stattdessen immer die Würde und das Selbstbestimmungsrecht der betreffenden Frauen in den Mittelpunkt stellen.
Dabei gilt zwar grundsätzlich, dass Frauen durch die Prostitution zu einer Ware degradiert werden. Es sind aber auch Fälle denkbar, in denen Frauen die männliche Illusion, sie zu einer Ware zu machen, selbst als Produkt verkaufen. Diese Umkehr der Warenlogik kann ausgesprochen lukrativ sein. Es gibt Frauen, die damit weit über zehntausend Euro im Monat verdienen [11].
Von Arbeit kann man wohl auch hier nicht sprechen. Es ist dann eher so, dass die betreffenden Frauen gewissermaßen ihr Hobby zu einer Geldquelle machen. Eben dies sollte der Idealfall von Prostitution sein. Um ihn zum Regelfall zu machen, müssten folgende Bedingungen erfüllt sein:
- Verbot nicht nur jeder Form von Zuhälterei, sondern auch von Bordellen und anderen Massenabfertigungsstätten. Stattdessen sollte es in der Verantwortung der Kunden liegen, für ein ansprechendes, sauberes Erotik-Umfeld zu sorgen – sei es in Privaträumen oder in einem Hotel für gehobene Ansprüche.
- Ausstattung aller Frauen mit Emergency-Sets, durch die sie bei Notfällen per Knopfdruck Hilfe rufen können;
- Pflicht zu elektronischer Vorauszahlung vor der Begegnung;
- Einführung einer verpflichtenden Standardlohntabelle;
- Verpflichtende Gesundheitschecks auch für Kunden, dokumentiert in einem Gesundheitspass, der auf Aufforderung vorgezeigt werden muss;
- Beratung und Hilfsangebote müssen von den Frauen anonym in Anspruch genommen werden können, ohne Angst vor behördlicher Verfolgung bei steuer- oder aufenthaltsrechtlichem Fehlverhalten.
Über Manu Chao

Manu (eigentlich Manuel) Chao wurde 1961 als Sohn einer baskischen Mutter und eines aus Galicien stammenden Vaters in Paris geboren. Als Schriftsteller und Klavierspieler hat sein Vater früh sein Interesse für Musik und Literatur geweckt. Auch seine Mutter war als Künstlerin tätig. So verkehrten im Haus der Familie zahlreiche Intellektuelle der Zeit, wie etwa Gabriel García Márquez.
Nach dem Besuch des Konservatoriums und Experimenten mit anderen Gruppen gründete Manu Chao 1987 zusammen mit seinem Bruder Antoine die Band Mano Negra (Schwarze Hand). Der Name geht auf andalusische Widerstandsgruppen vom Ende des 19. Jahrhunderts zurück, lässt sich aber auch auf Schwarzarbeit und Schwarzmarktaktivitäten beziehen. Er steht programmatisch für den rebellischen Anspruch der Musik von Mano Negra.
Seinen Ausdruck fand dies sowohl in dem Alternative-Rock-Sound als auch in den Auftritten der Band. So unternahm sie 1992 aus Anlass des 500. Jahrestags der Ankunft von Christoph Kolumbus auf dem amerikanischen Kontinent zusammen mit der Straßenkünstlergruppe Royal de Luxe eine Tournee durch Südamerika. Bei Konzerten in mehreren Hafenstädten, die mit einem eigens für die Reise gekauften alten Frachtschiff angelaufen wurden, sollte die glorreiche Eigenperspektive der europäischen Kolonialstaaten auf ihre Geschichte musikalisch hinterfragt werden.
Die Tournee war zwar erfolgreich, allerdings auch mit vielen Strapazen und internen Konflikten verbunden. So löste sich die Band im Anschluss an die Reise auf.
Manu Chao versuchte sich danach an einem anderen Bandprojekt, wollte nach dessen Scheitern aber seine musikalische Karriere beenden. Sein 1998 erschienenes Album Clandestino war eigentlich als Schlussakkord seiner Karriere gedacht. Dass es stattdessen seinen Weltruhm begründete, lag auch an einem Zufall: Durch eine Fehlprogrammierung des Computers wurden die Techno-Rhythmen, die den Songs unterlegt werden sollten, nicht mit abgemischt.
So entstand der typische Manu-Chao-Sound, der die Erfahrungen des Musikers mit lateinamerikanischer Musik mit eingängigen, storytauglichen Melodien und der collagenhaften Einflechtung von Alltagsgeräuschen und Zitaten verbindet. Inhaltlich knüpft das Album an die Reiseerfahrungen des Sängers an. Das Vagabundenleben und das Gefühl, überall und nirgends zu Hause zu sein, bildet zugleich eine Brücke zu der Thematisierung von Flüchtlingsschicksalen.
Während der Song Clandestino noch eine allgemeine Solidaritätsadresse an die „Illegalen“ dieser Welt darstellt, hat Manu Chao die restriktive Flüchtlingspolitik westlicher Staaten später auch direkt angegriffen. So setzt er sich etwa in dem Song Tristeza Maleza kritisch mit der US-amerikanischen Einwanderungspolitik auseinander.
Der Text ist in Zusammenarbeit mit einem von Insassen einer psychiatrischen Klinik in Buenos Aires betriebenen Radiosender entstanden. Er benennt schon im Titel die „Traurigkeit“ (tristeza), die sich aus der Abstemplung von Menschen auf der Flucht als „Unkraut“ (maleza) ergibt.
Diesem kritischen Ansatz entsprach auch der Name der neuen Band von Manu Chao: „Radio Bemba“. Damit knüpfte er an die Kommunikationsformen kubanischer Revolutionäre um Che Guevara an, die sich durch ein System der mündlichen Weitergabe von Informationen vor Entdeckung zu schützen versuchten.
Nachweise
[1] Körner, Christine / Steffan, Elfriede: Lebenslagen männlicher Sexarbeiter und HIV/STI-Prävention. In: Soziale Arbeit. 69 (2020), Nr. 2, S. 61 – 68.
[2] Wege, Julia: Sexualisierte Gewalt und Prostitution. In: Retkowski, Alexandra / Treibel, Angelika / Tuider, Elisabeth (Hgg.): Handbuch Sexualisierte Gewalt und pädagogische Kontexte, S. 360 – 368. Weinheim 2018: Beltz.
[3] Reith, Victoria: Schwedisches Prostitutionsgesetz: „Ein Mensch kann nicht zum Verkauf stehen“. Deutschlandfunk, 12. August 2018.
[4] Eine gute Übersicht über die gesetzlichen Regelungen zur Prostitution in verschiedenen Ländern findet sich bei Terre des Femmes: Gesetzliche Regulierung der Prostitution in Europa. Frauenrechte.de, 23. Februar 2024.
[5] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz:
Prostitutionsgesetz (Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten – in der Fassung vom 21. Oktober 2016);
Prostituiertenschutzgesetz (Gesetz zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen – in der Fassung vom 21. Oktober 2016).
Bilder: John Singer Sargent: Straße in Venedig, 1882 (Wikimedia); Festival Internacional de Cine en Guadalajara: Manu Chao 2019 (Wikimedia) ;