Was nicht normal ist

Ein Zehnpunkte-Einwurf gegen das Pandemie-Management

Die Pandemie, so heißt es immer wieder, erschafft eine neue Normalität. De facto wird diese Normalität aber von jenen erschaffen, die mit ihr umgehen. Eben deshalb ist diese Normalität auch keineswegs so alternativlos, wie sie in Politikerreden erscheint.

1.

Es ist nicht normal, in jedem Mitmenschen eine potenzielle Virenschleuder zu sehen, die man meidet wie eine Giftschlange und allenfalls dann an sich heranlässt, wenn die Person sich einer hochnotpeinlichen Testung unterzogen hat. Gerade in der Pandemie sind Solidarität und Vertrauen unverzichtbare Güter, die nicht leichtfertig durch ein institutionalisiertes Misstrauen verspielt werden sollten.

2.

Es ist nicht normal, für Maßnahmen zum Gesundheitsschutz Mitbestimmung und parlamentarische Kontrolle außer Kraft zu setzen und jede Form von Kritik an den getroffenen Maßnahmen als potenzielle Gesundheitsgefährdung zu verteufeln. Wer so handelt, setzt sich dem Verdacht aus, die Pandemie als Vorwand für die Aushebelung demokratischer Grundrechte zu missbrauchen. Auch gibt er so ohne Not eine Trumpfkarte im Kampf gegen die Pandemie aus der Hand: die Schwarmintelligenz und die Vielfalt der Ideen, die nur im gemeinsamen, offenen Diskurs zur Geltung gebracht werden können.

3.

Es ist nicht normal, die Wege jedes einzelnen Bürgers per Tracking-App bis ins Kleinste nachzuverfolgen. Wer dies zum Normalzustand erklärt, bereitet gewollt oder ungewollt den Boden für einen Überwachungsstaat chinesischer Prägung.

4.

Es ist nicht normal, Grenzen als Bollwerk gegen einen Feind anzusehen, für den es keine Grenzen gibt. Wer so handelt, beweist, dass die Lobgesänge auf das „grenzenlose Europa“ für ihn nichts anderes als leere Sprüche sind, die er durch sein eigenes Tun Lügen straft. Denn diejenigen, mit denen er angeblich das gemeinsame „Haus Europa“ aufbauen möchte, müssten gerade in der Krise seine Partner sein, mit denen er gemeinsam nach Lösungen sucht. Stattdessen werden sie wie Gegner behandelt, die für die Krise oder ihre Verschärfung verantwortlich sind.

5.

Es ist nicht normal, Impfskeptiker als Volksschädlinge zu brandmarken, ohne überhaupt allen Menschen eine Impfung anzubieten. Die vorschnelle Verurteilung anderer entspricht einer Sündenbocksuche, bei der gerade in Deutschland eine größere Sensibilität am Platze wäre.

6.

Es ist nicht normal, Hausarrest über Menschen zu verhängen, nur weil sie Feindkontakt hatten. Wenn es nötig ist, Einzelne zu isolieren, um andere zu schützen, muss dies als Opfer betrachtet werden, dass die Betreffenden für die Gemeinschaft erbringen. Dieses Opfer muss entsprechend gewürdigt werden, indem die Einzelnen bei ihrer Selbstisolation von der Gemeinschaft unterstützt werden. Wer sie stattdessen wie Verbrecher behandelt und ihnen für den Fall einer Verletzung des Hausarrests Strafen androht, verwechselt Täter und Opfer bzw. behandelt Letztere als potenzielle Täter.

7.

Es ist nicht normal, anderen nur noch verschleiert zu begegnen. Soweit dies zur Verminderung der Ansteckungsgefahr notwendig ist, muss die Maßnahme auf entsprechend ansteckungsträchtige Situationen beschränkt werden. Andernfalls wird die Maßnahme zu einer Art Abwehrzauber, der als solcher dann auch seine Glaubwürdigkeit und damit seine Wirksamkeit einbüßt.

8.

Es ist nicht normal, wissenschaftliche Studien wie eine Speisekarte zu behandeln, aus der man sich nach Belieben bedienen kann. Ein solches Verhalten, wie es in Deutschland bei der Diskussion um die Schulöffnungen zu beobachten ist, behandelt nicht nur die Wissenschaft wie eine Hure, die dem eigenen Willen zu dienen hat. Es verletzt auch das Vorsorgeprinzip, nach dem bei jedem Zweifel an der Unschädlichkeit einer Maßnahme stets der Gesundheitsschutz  an erster Stelle zu stehen hat.

9.

Es nicht normal, vor laufender Kamera von Solidarität zu reden, während im Hinterzimmer Deals zur bevorzugten Versorgung der eigenen Nation mit Impfstoffen abgeschlossen werden. Gleiches gilt für teure Medikamente, die „systemrelevanten“ Personen ebenso selbstverständlich verabreicht werden, wie sie „irrelevanten“ Personen vorenthalten werden. Wer als Politiker so  handelt, beweist eben hierdurch, dass er die beanspruchte Vorzugsbehandlung nicht verdient.

10.

 Es ist nicht normal, jede Form von Vergnügen als  „Corona-Party“ zu verteufeln. Gerade in der Pandemie ist es notwendig, das Feuer der Lebensfreude am Leben zu erhalten.

Bild: Wezlo: Verkehrszeichen (Pixabay)

3 Kommentare

  1. Natürlich geht es bei der Bekämpfung einer Pandemie nicht ohne Einschränkungen. Für die sogenannten „Querdenker“
    oder notorische PartyorganisatorInnen habe ich keinerlei Verständnis. Allerdings finde ich Ihre Gedanken über die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen des Krisenmanagements essentiell. Bei dem Hin- und Her immer neuer Beschränkungen und den zahlreichen logischen Brüchen, kommt der Verdacht auf, dass es neben dem Infektionsschutz ganz deutlich um einen Ausbau von Kontrolle und den Abbau „lästiger“ demokratischer Diskurse geht. In diesem Sinne: Vielen Dank für diesen Beitrag!

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