Nada: Luna in Piena (Vollmond)

Auf zu neuen Ufern!Musikalische Sommerreise 2021

Auch mit dem dritten Song der diesjährigen musikalischen Sommerreise bleiben wir auf dem Meer – wenn auch dieses Mal eher im übertragenen Sinn. Das Lied Luna in Piena (Vollmond) der italienischen Sängerin Nada handelt von einer Frau, die alle Fesseln von sich werfen und sich ganz dem Meer der Leidenschaften überlassen möchte.

Die 1953 geborene Nada Malanima (Künstlername schlicht „Nada“) ist zwar mit Erfolgen auf dem alljährlichen italienischen Schlagerfest – dem San Remo Festival – bekannt geworden. Sie hat sich danach allerdings bald aus der reinen Unterhaltungsbranche zurückgezogen und ist eigene Wege gegangen. Dabei hat sie sich auch nicht gescheut, brisante Themen aufzugreifen. Ein Duett, das sie im Jahr 2000 mit Adriano Celentano eingespielt hat (Il figlio del dolore / „Der Sohn des Schmerzes“), prangert etwa Vergewaltigungen als Mittel der Kriegsführung an.
Der künstlerische Werdegang der Sängerin hat demnach herzlich wenig zu tun mit Sentimentalitäten in der Art von: „Ich bin dein, mein Herz ist rein …“ So muss auch bei dem Lied Luna in Piena (Vollmond) streng zwischen der tatsächlichen Sängerin und der Rolle, die sie in dem Song spielt, unterschieden werden.
2007, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Liedes, war Nada bereits seit 40 Jahren im Geschäft. Als Vollblutprofi beherrscht sie natürlich die Bühnen-Show, die ohne tänzerische Bewegungen kaum vorstellbar ist. Wenn in dem Lied von mangelnden tänzerischen Fähigkeiten die Rede ist, so ist dies folglich nicht auf die „echte“ Sängerin zu beziehen.
Zudem bedeutet die Reserviertheit gegenüber dem Tanz keineswegs, dass auch die durch diesen ermöglichte Ekstase abgelehnt würde. Ganz im Gegenteil: Das ganze Lied handelt nur davon, dass das Ich die Grenzen seines Daseins sprengen möchte. Die Absage an Tango und Walzer könnte deshalb auch so zu verstehen sein, dass die dabei zu beachtenden festen Schrittfolgen einer echten, durch keinerlei Regeln gebremsten Ekstase im Wege stehen.
Ein ähnlicher Gegensatz ergibt sich auch auf der Ebene des Textes. Im italienischen Original lässt er an ein säuselndes Püppchen denken, das sich nach männlicher Nähe sehnt. Dies kontrastiert allerdings auffallend mit der rauchigen Stimme der Sängerin, die eher an eine männerfressende Femme fatale erinnert. Dem entsprechen auch die in das Lied eingebauten katzenartigen Rufe, die ebenfalls eher nach einem fauchenden Raubtier als nach einem Schmusekätzchen klingen.
Vollends persifliert wird der schmachtende Text durch den Videoclip zu dem Lied. Die Gesangsdarbietung zerfällt hier wie in einem Zerrspiegel in ein Kaleidoskop bunter, teilweise grotesker Bilder. Wer möchte, kann darin eine Andeutung des emotionalen Aufruhrs und des Liebesrauschs sehen. Dieser wäre dann allerdings weit entfernt von der amourösen Romanze, die der Text nahelegt. Eher würde er einem LSD-Trip ähneln.
So erweist sich das Lied bei näherer Betrachtung als raffinierter Tanz mit den Klischees. Zusammen mit dem Videoclip wird daraus ein Gesamtkunstwerk, in dem Gesang, Text, Musik und Bilder virtuos aufeinander abgestimmt sind.
Isoliert betrachtet, erweckt der Text allerdings einen falschen Eindruck. Bei der Übersetzung bin ich deshalb bewusst frei vorgegangen, um sprachliche Klischees und Geschlechterrollenstereotypien zu umschiffen.

Nada: Luna in Piena (Vollmond, 2007)

Liedtext

Freie Übertragung ins Deutsche

Vollmond

Ich kann überhaupt nicht tanzen,
keinen Tango, keinen Walzer,
ich kann überhaupt nicht tanzen,
ich schwanke nur hin und her,
getrieben von den Wellen des Lebens.

Im Meer meiner Schatten versinkend,
vergesse ich mich selbst
und steche in See mit dir.
Mein Möwenherz fliegt uns voraus,
aus Angst wird Aufbruchsfieber,
und zwischen deinen Händen
bin ich wie der Vollmond,
der dein Verlangen umschimmert.

Nimm mich mit dir auf nächtliche Fahrt,
lass unser Schiff mit vollen Segeln tanzen
über das aufgewühlte Meer.
Bette meinen Kopf im Nest deiner Hände,
hilf mir meine Angst zu überwinden
und die Fesseln meiner Schüchternheit zu lösen.

Ich kann überhaupt nicht tanzen,
keinen Tango, keinen Walzer,
ich kann überhaupt nicht tanzen,
ich schwanke nur hin und her.
Verloren in einem Meer von Schatten,
umstellen mich die Mauern meines Morgens.
Doch zwischen deinen Händen
bin ich wie der Vollmond,
der dein Verlangen umschimmert.

Nimm mich mit dir …

Bild: Blende12: Schiff bei Vollmond (Pixabay)

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