Leihmutterschaft

Wie der Kinderwunsch zur Entwürdigung von Frauen führen kann

Themen des Jahres/6

Leihmutterschaft wird von manchen kinderlosen Paaren als probates Mittel zur Erfüllung ihres Kinderwunschs angesehen. Sie ist aber mit schweren Eingriffen in die Würde und persönliche Autonomie der Frau verbunden.

Wenn Frauen als lebende Brutkästen benutzt werden

Wie es sich wohl anfühlen mag, als lebender Brutkasten benutzt zu werden?

Sie pflanzen den Keim der Leibesfrucht in deinen Bauch, dann soll der Keim darin aufgehen wie ein Hefeteig, ehe er schließlich entnommen und wie beim Bäcker in die Hände eines Fremden gelegt wird. Nun ist der Brutkasten wieder leer, ein neuer Menschenteig kann darin gebacken werden.

Das Problem bei der Sache: Ein echter Brutkasten hat keine Gefühle. Er kennt keine Hormonumstellung, diese vollständige Ausrichtung des Körpers auf das andere Leben, das in ihm heranreift.

Eine Frau, die für andere ein Kind austragen soll, kann dagegen gar nicht anders, als eins zu sein mit dem, was sich in ihr dem Leben entgegenstreckt. Und wenn das neue Leben sich aus dem alten herausschält, ist alles in ihr darauf eingestellt, dieses neue Leben zu nähren und zu pflegen. Kein Geld der Welt kann die Leere ausfüllen, die in ihr zurückbleibt, wenn man ihr das neue Leben entreißt wie eine Frucht, die ihr nicht zusteht.

Leihmutterschaft als Verdinglichung von Frauen

Leihmutterschaft ist damit eine der schmerzhaftesten Formen, als Frau zu einer Ware herabgewürdigt zu werden. Oder genauer: verdinglicht zu werden, als bloße Möglichkeit für die Produktion von lebendiger Ware für andere missbraucht zu werden.

Hinzu kommt, dass die Kundschaft stets makellose Ware erwartet. Entspricht die Ware diesen Erwartungen nicht, so wird die Annahme verweigert, sprich: die Frauen werden zur Abtreibung genötigt. Was für schmerzhafte Konsequenzen es für Frauen hat, die sich aus finanzieller Not für eine Leihmutterschaft zur Verfügung stellen, hat Inga Lizengevic in einem beeindruckenden Feature über Leihmütter in der Ukraine gezeigt.

Leihmutterschaft zu verbieten, ist demnach ein Gebot der Humanität. Genau das ist in diesem Jahr in Italien passiert. Dort ist ein Gesetz erlassen worden, das Leihmutterschaft nicht nur in Italien selbst verbietet, sondern auch die Inanspruchnahme von Leihmüttern im Ausland untersagt.

Das Problem bei der Sache: Die italienische Regierung wird derzeit von den postfaschistischen Fratelli d’Italia geführt. Diese verbinden mit dem Gesetz die Intention, homosexuellen, insbesondere schwulen Paaren die Erfüllung des Kinderwunschs zu erschweren.

Alternativen zur Leihmutterschaft – auch für homosexuelle Paare

Eine fragwürdige Intention muss aber noch lange nicht bedeuten, dass auch die Wirkung des Gesetzes verdammenswert ist. Schließlich haben homosexuelle Paare noch andere, moralisch weniger bedenkliche Möglichkeiten, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Am einfachsten ist es, wenn schwule und lesbische Paare sich zusammentun und per künstlicher Befruchtung Kinder zeugen. Das Ergebnis sind dann eben jene Patchwork-Familien, die weit eher zu der modernen Aufbrechung der klassischen Geschlechterrollen passen als das klassische Bild der aus zwei Elternteilen und einem Kind bestehenden Familie.

Idealerweise sollte der Gesetzgeber den neuen Realitäten auch durch entsprechende Regelungen zur Co-Elternschaft Rechnung tragen. Diese würde nicht nur den Eltern, sondern auch den Kindern mehr rechtliche Sicherheit geben.

Link zum Feature von Inga Lizengevic:

Babys für die Welt – das Geschäft mit ukrainischen Leihmüttern; Deutschlandfunk/SWR/ORF 2021 (Ausstrahlung auch in WDR und BR, Sendetermine März 2022)

Einführung in das Feature auf rotherbaron:

Frauen zweiter Klasse? Inga Lizengevics Feature über die Ausbeutung ukrainischer Leihmütter; 23. Oktober 2022

Bild: Luciana Ferraz: Schwanger (Pixabay)

2 Kommentare

  1. Bezahlte Schwangerschaft, die Frau als Ding und Ware – das hast du sehr einfühlsam beschrieben. Die Alternativen sind freilich auch nicht ohne diesen Beigeschmack. Der Samenspender ist innlesbischen Beziehungen nicht der Vater, und so wird das Kind der Kenntnis seines biologischen Vererbers beraubt. Bei männlichen Paaren ist eine Leihmutter unabdingbar.
    ich bin nur für die Adoption, und auch da nur dann, wenn sich für das Kind keine gute Lösung in seinem familiären Umfeld finden lässt. Ansonsten sollte Mütterlichkeit-Väterlichkeit beruflich oder privat ausgelebt werden können, ohne das es eines “eigenen“ Kindes dafür bedarf.

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