Zu dem Lied Glædur (Die Glut) der isländischen Band Mammút
Wer die Natur kontrollieren möchte, entfesselt dabei womöglich unkontrollierbare Naturgewalten. Niemand weiß das besser als die Menschen in Island, wo aktive Vulkane und das Meer die Kraft der Natur tagtäglich vor Augen führen.
Die Glut
Meine salzigen Funken,
eine brennende Geißel für deine Stirn,
dein lasterhaftes Blut,
stechen in dein Gesicht.
Lass deinen Atem in mich zurückströmen,
Herr, gib mir die Macht, zu rächen,
lass meinen Atem die Luft entzünden,
lass mich den Ort verbrennen,
an dem wir gelebt haben.
Lass deinen Atem in mich zurückströmen,
Herr, gib mir die Macht, zu rächen.
Freudig werde ich, die Verräterin,
in der Stadt mein Lager aufschlagen
und Jahr um Jahr in deinem Rücken weiterbrennen.
Mammút: Glædur aus: Komdu til mín svarta systir (Komm zu mir, schwarze Schwester; 2013)
Live-Aufnahme (2013)
Naturgewalten auf Island: das Meer und die Vulkane
Über 100 Vulkane gibt es auf Island. Sie sind durch etwa 30 unterirdische Vulkansysteme miteinander verbunden, deren Energie sich immer wieder in teils heftigen Ausbrüchen entlädt.
Wer auf Island lebt, hat also ein ganz anderes Bild von der Kraft der Natur als ein Mensch in Kontinentaleuropa. Verstärkt wird das Gefühl für die Naturgewalten dabei noch durch das Meer, dessen Kraft auf einer Insel ebenfalls viel stärker zu spüren ist als auf dem Festland.
Lava und Gischt: zwei Aspekte überquellender Naturgewalt
In ihrem Song Glædur (Die Glut) hat die isländische Band Mammút beide Aspekte von Naturgewalt in einem einzigen Bild zusammengefasst. Die Glut wird hier mit der Gischt, die alles verzehrende Kraft des Feuers mit der nicht minder zerstörerischen Kraft des Meeres zusammengesehen.
Interessant ist dabei, dass der Text aus der Perspektive der Natur geschrieben ist. Scheinbar aus der Zivilisation verdrängt, sammelt sie außerhalb von deren Toren ihre Kräfte zu einem Sturmangriff, der an die Gewalt der Vulkanausbrüche oder auch von Tsunamis denken lässt. So schlägt sie wieder Wurzeln inmitten der scheinbar gegen sie abgeschotteten Zivilisation und zersetzt sie von innen heraus, um sich selbst zu erneuern.
Wenn die Natur aus dem Gleichgewicht gerät
Das Lied legt so den Finger in die Wunde unserer Wachstumsgesellschaft, die noch immer so tut, als wäre die Natur eine nach Belieben ausbeutbare Ressource. Es verweist auf die Kipp-Punkte, jenseits derer das zerstörte Gleichgewicht der Natur zwangsläufig zu unumkehrbaren, für die menschliche Zivilisation schmerzhaften Entwicklungen führt.
Über Mammút

Die Band Mammút gründete sich 2003 zunächst als Trio – und zwar unter dem Namen ROK, wobei alle drei Bandmitglieder weiblich waren. Zeitgleich mit der ein Jahr später erfolgten Umbenennung in Mammút erweiterte sich die Band um zwei männliche Mitglieder.
2004 gewann die Band den Músíktilraunir (englischer Titel Icelandic Music Experiments, IME), einen bedeutenden Wettbewerb für isländische Nachwuchsbands. In der Folge wurde sie mehrfach bei den Icelandic Music Awards ausgezeichnet.
Musikalisch bewegt sich die Band zwischen Elektro-Pop sowie Alternative und Psychedelic Rock. Neben einigen wilderen und tanzbaren Stücken hat die Gruppe auch ein paar eher kontemplative Songs eingespielt.
Tipp: Über Vulkane in Island gibt es eine ausführliche, reich bebilderte Info-Seite von Nanna Gunnarsdóttir auf guidetoiceland.is.
Mehr Musik aus Island in: Nordische Musikkulturen, S. 53 – 63: Island: Punk und raunende Elfen (PDF).
Bilder: David Mark: Island (Pixabay); Alexander Kellner: Mammút beim Haldern Pop Festival, 2017 (Wikimedia)