Von lichter Finsternis und finsterem Licht

Was Teufel, Satan und Luzifer für uns bedeuten

Gastbeitrag von Bruder Norabus

Ein teuflischer Traum war Anlass für diese Gedanken über die dunkle Seite unserer Existenz: Was meinen wir eigentlich genau, wenn wir „Teufel“, „Satan“  oder „Luzifer“  sagen? Woher kommen diese Konzepte? Und welche Aspekte unserer dunklen Seite sind jeweils damit verbunden?

Bild: Franz von Stuck (1863 – 1928): Luzifer; Nationale Kunstgalerie Sofia, Bulgarien

4 Kommentare

  1. Das ist ein sehr spannendes Essay. Leider fällt die „dunkle Seite“ meist der Verdrängung und Verleugnung zum Opfer. Aus Angst denken wir zu wenig nach. Wenn man in die so genannten Sozialen Medien blickt, dann herrscht dort S/W-Denken und die große Oberflächlichkeit. In diesem Sinne wünsche ich den klugen Gedanken über Luzifer recht gute Verbreitung!

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  2. Empfehlung Buch-Neuerscheinung: „Ausgesetzt zur Existenz“; Franz Sternbald

    „Ich glaube, die größte Barmherzigkeit besteht in der Unfähigkeit des menschlichen Verstandes, alles sinnvoll zueinander in Beziehung zu setzen. Wir leben auf einer friedvollen Insel der Ahnungslosigkeit inmitten schwarzer Meere der Unendlichkeit, und es war nicht vorgesehen, daß wir diese Gewässer weit befahren sollen. Doch eines Tages wird uns das Aneinanderfügen einzelner Erkenntnisse so erschreckende Perspektiven der Wirklichkeit und unserer furchtbaren Aufgabe darin eröffnen, daß diese Offenbarung uns entweder in den Wahnsinn treibt, oder uns aus der tödlichen Erkenntnis in den Frieden und den Schutz eines neuen dunklen Zeitalters flüchten läßt.“
    Unser sehnsuchtsvoller Blick zu den Sternen war stets von der faszinierenden Hoffnung beseelt, dort mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf verständige Andere treffen zu können, die uns gleichsam als ideal überhöhter Spiegel zur Vergewisserung der Menschheit als Gattung verhelfen könnte. Daß diese Hoffnung uns auch grausam trügen könnte, äußern in jüngster Zeit Exobiologen zunehmend mit warnenden Stimmen. Es ist in der Tat möglich, daß außerhalb unseres begrenzten Wahrnehmungsbereiches andere Wesen existieren. Andere Kreaturen, Rassen, Konzeptionen und Intelligenzen. Einige davon sind uns wahrscheinlich an Intelligenz deutlich überlegen. Was aber läßt uns glauben, daß diese Wesen in irgendeiner Weise überhaupt eine spirituelle Natur eignen, und nicht vollkommen amoralisch handeln, etwa parasitär und expansiv wie Schleimpilz und Schimmel. Es ist nicht völlig abwegig, daß etwa die massenhafte Produktion von nanotechnischen Partikeln (Smart Dust) vorgenommen wird, die in gewisser Weise als ‚intelligente Naniten’ auf mikrobieller oder molekular-genetischer Ebene im lebendigen Zellstoffwechsel operieren könnten, vermittelt, bzw. aktiviert durch ultrahoch-frequente Energieeinkopplung/ Bestrahlung. Der forcierte Ausbau des 5G-Standards scheint ein derartiges Szenario vorbereitend möglich zu machen. Selbst ein gehobener Intellekt bei Technokraten garantiert nicht dafür, daß nicht auch eine kultivierte ‚Bösartigkeit’ der Idee von einem irdisch denkbaren Glück, oder gar möglichen kosmischen Harmonie des diplomatischen Austausches des universellen Lebens hohnsprechen könnte.
    Was uns eine logisch basierte Wissenschaft zu vermitteln versucht, ist, daß wir lediglich in einem vermeintlich tauben und schicksalsblinden, und mit unserer eigenen zugestandenen Ausnahme ansonsten toten Universum existieren würden. Mit der Verbannung sämtlicher Schöpfungsmythen leugnen wir jedwede Absichtlichkeit auf dem Grund des Seins, nachdem wir bereits Verzicht geleistet haben auf irgendwelche Sinnhaftigkeit und Zielsetzung. Somit generieren die selbstgesetzten Zwecke nur immer neue Zweckmäßigkeiten mit jeweiliger Referenz wiederum nur auf sich selbst.
    In dieser Weise liefert der wissenschaftliche Rationalismus aber als Mechanismen der Verdrängung des mythopsychologischen Grauens vor der eigentlich auch für den modernen Menschen kaum verdrängbaren Un-Heimlichkeit am irdischen Dasein. Die Tiefe des Schweigens in der absoluten Schwärze des Alls hat etwas Lauerndes.
    „Das ist nicht tot, was ewig liegt ..“, warnte H.P.Lovecraft in seinen Schriften zum phantastischen Realismus, und mahnte vor der Realität des Phantastischen. Dort in kosmischen Abgründen lauerten seit Äonen die Großen Alten’ im bewußtlos brütenden Dämmern, und warten auf den Tag ihrer Wiederkunft. Es soll sich nach gnostischer Lehre um die Archonten handeln (die biblisch als Elohim in Mehrzahl erwähnt sind), jene großen kosmischen ‚Baumeister’ und prometheischen Ingenieure der belebten Welten an der Seite des Schöpfer-Gottes (biblisch bekundet: „Laßt uns Menschen machen, nach unserem Bilde“). Die offizinale Kirchengeschichtsschreibung versuchte die tiefen Einsichten der frühchristlichen Gnosis von der wirklichen Beschaffenheit der Welt zu unterdrücken. In den Schriften von Nag Hammadi (ca. 4 n.Chr. Jhrd.; Entdeckung erst im Jahr 1945) findet sich die Nennung des Demiurgos als Schöpfer einer illusionären ‚Realität’, und seiner kosmischen Architekten, den sog. Archonten. Aber mit derem Sturz und Fall in der Folge des anmaßenden Mißbrauchs ihrer göttlichen Vollmachten, fiel auch ein finsterer Schatten in die Welt. Abgekoppelt von der lebendigen Schöpferkraft wirken sie auf der leblosen Ebene der technologischen Machenschaft einer künstlichen Intelligenz (KI). In den gnostischen Texten des frühen Christentums wird die physikalische Realität als eine Simulation bezeichnet. Diese Matrix der Illusion wird dort übrigens mit „HAL“ bezeichnet (in Stanley Kubriks Odyssee 2001 verweist der Name des zentralen Bordcomputers HAL auf dessen Kern heuristischer Algorithmen)
    Möglicherweise ist die Wahrnehmung einer all-umfassenden Dunkelheit beim Blick in den nächtlichen Himmel, gerade auf jene Dämpfung des Lichts durch einen dunklen Schleier der Matrix unseres Daseins in einer ‚abgefallenen Schöpfung’ zurückzuführen.
    Abgeschieden von den Sphären göttlichen Lichtes, dringt es zu uns lediglich als spektrale Schatten. Es ist eine Buntheit auf der Skala der ‚fifty grades of shades’. Man ist erinnert an das sog. Olbert-Paradoxon, wonach in Anbetracht von Abermilliarden Sternen, das All eigentlich mehr als taghell erleuchtet sein müsse. Der radiale Lichtverlust aufgrund großer Distanzen ist bislang nur eine unzureichende Erklärung für dieses Phänomen. Einige thesenhafte Vermutungen in der modernen Physik postulieren eine sog. ‚dunkle Materie’, die zwar die zu erwartende Masse darstelle, selbst jedoch nicht im optischen, bzw. elektromagnetischen Spektrum nachweisbar sei.
    Möglicherweise ist aber gerade die rationale Wissenschaftlichkeit der Ausdruck für eine Verengung des Spektrums der Wahrnehmung überhaupt, von dem was eigentlich Ist.
    In den Schriften von H.P. Lovecraft würden die ‚Großen Alten’ (Archonten) auf einen weckenden Ruf in nicht allzu langer Frist dereinst wiederkehren. Es scheint indes, daß das, was prähistorisch archaische Riten, schamanische Schellen und Trommel, und das dissonante Pfeifen ‚blasphemischer’ Flöten (Lovecraft), bislang nicht vermocht haben, nunmehr durch das techno-logische Getöse unserer Zeit gerade ein solcher Weckruf für jene apokalyptischen Kräfte weit hinaus in die Tiefen des Alls schallt.

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    „ Ausgesetzt zur Existenz “ – warum der Mensch ein Schicksal ist
    – vom Ausgang aus der unverschuldeten Absurdität –
    Franz Sternbald

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  3. virtú oder virtuell? – Empfehlung Buch-Neuerscheinung: „Ausgesetzt zur Existenz“; Franz Sternbald

    .. Während dem Meister seines Handwerks kaum das Zertifikat seiner Qualifikation gegönnt wird, würden ihm im digital vollautomatisierten Industriebetrieb allenfalls öde Maschinenüberwachungsfunktionen zufallen. Die Entfremdung des Menschen von seinem Werk erfolgt in exponentieller Geschwindigkeit, die jede gesellschaftspolitische Reaktion überfordern und zuletzt unmöglich machen wird. Abqualifiziert und sinnentleert kann „Arbeit 4.0“ unmöglich als ein würdiger Teil des menschlichen Daseins angenommen werden (darüber können auch nicht Weiterbildungsmaßnahmen in Programmiersprachen hinweg trösten). Die Forderung des Lebenslangen Lernens wird aus dem Munde der Digital-Lobby zum blanken Zynismus der entmenschsten Produktivität. Sofern Produktion nicht mehr durch Menschen für Menschen Wertschätzung erfahren kann, bedeutet digitalisierte Produktivität zuletzt eine zirkelhafte Selbstbezüglichkeit der Mittel, die sich die Zweckhaftigkeit angeeignet haben. Im Strudel der technoiden Beschleunigungsspirale verschwindet jeder kulturelle Form- und Gestaltwille in einem Strudelabfluß des veritablen Nichts. Wir fallen letztlich der Ideologie eines digitalen Nihilismus anheim. In seiner Betrachtung der Relevanz des hegelschen Materialismus, konstatiert der slovenische Philosoph Slavoj Zizek die Virtualität künftiger Realitäten (virtuell erweiterte Realität =augmented virtual reality) als eine Steigerung der Potentialität. Das Potentielle sind die noch nicht verwirklichten Möglichkeiten aus einem bereits gegebenen Regelrahmen zur Verwirklichung (z.B. der Fall einer bestimmten Augenzahl beim Würfeln). Hingegen ist die Virtualität die potenzierte Möglichkeitsform aus dem Raum unvorgegebener, und daher unkalkulierbarer Möglichkeiten. Diese sind dann völlige Neuschöpfungen quasi aus dem Nichts (ex nihilo). Bei der Verwirklichung eines virtuellen Ereignisses im Rahmen einer digitally augmented reality, ergeben sich sozusagen künftig tatsächlich ‚unmögliche Möglichkeiten’. Es handelt sich hierbei quasi um eine Schöpfung aus dem Nichts (creatio ex nihilo), also einer Schöpfung ohne Schöpfer, ein Sein ohne Grund.
    Die Auslöschung des Reellen durch das Virtuelle hinterläßt eine Leere des rein Potentiellen eines unendlichen Möglichkeitsraumes, der das Existenzielle durch die unendliche Null vollkommen ersetzt.

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    „ Ausgesetzt zur Existenz “ – warum der Mensch ein Schicksal ist
    – vom Ausgang aus der unverschuldeten Absurdität –
    Franz Sternbald

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