Der Leistungssport und die Olympischen Spiele in Peking

Auftakt für eine kleine Reihe zur Fragwürdigkeit des Leistungssports

Die Olympischen Spiele in Peking sind absurd – so absurd, dass sie vielleicht auch das Augenmerk auf die grundsätzliche Absurdität des Spitzensports lenken.

Eine absurde Veranstaltung

Laut Albert Camus entsteht das Gefühl der Absurdität nicht aus einer einfachen Tatsache. Vielmehr beruhe es auf „einem Vergleich zwischen einem Tatbestand und ei¬ner bestimmten Realität“.
Im Fall der Olympischen Spiele in Peking besteht dieser Vergleich aus der olympischen Idee einerseits und der Realität der Spiele andererseits.
Die olympische Idee verheißt Frieden und Völkerfreundschaft. Die Realität der Spiele beutet diesen Gedanken für die Propaganda eines totalitären Staates aus.

Die Ghetto-Olympiade

Vollends auf die Spitze getrieben wird die Absurdität des chinesischen Olympia-Schauspiels durch die Gleichzeitigkeit der Corona-Pandemie. Die Ghetto-Olympiade, die die chinesische Führung vor diesem Hintergrund inszeniert, macht die olympische Idee zu einer Art Zirkusvorführung.
In der Ghetto-Manege darf die staunende Öffentlichkeit das potemkinsche Olympia-Dorf bewundern. Außerhalb des olympischen Zirkuszelts nimmt die Repression im Interesse eines reibungslosen Ablaufs der Propagandaspiele dagegen sogar noch an Intensität zu.
So präsentiert die Staatsführung aller Welt ihre Vision eines perfekten Gemeinwesens. Eingesperrt in das Ghetto diktatorischer Regeln und entsprechend rabiater Kontrollen, sollen die Menschen freudestrahlend jene preisen, die dieses Ghetto für sie errichtet haben.

Spiegelbild von Fehlentwicklungen

Allerdings kann die Absurdität dieser Spiele langfristig auch einen Vorteil haben. Eben weil sie so offensichtlich ist, steht damit die gegenwärtige Form olympischer Spiele grundsätzlich auf dem Prüfstand.
Dadurch aber tritt vielleicht auch der Leistungssport allgemein in seiner Fragwürdigkeit vor Augen. Dazu wird es in den nächsten Tagen in zwei Beiträgen ein paar Diskussionsanregungen geben.

Camus-Zitat aus: Der Mythos von Sisyphos (Le Mythe de Sisyphe, 1942, dt. 1950), S. 30 f. Reinbek 1959: Rowohlt.

Bild: Gerd Altmann: Schaufensterpuppen (Pixabay)

Ein Kommentar

  1. Bei gleichzeitigem Kriegsgeschrei und Truppenbewegungen in old Europe. Die Absurdität ist kaum zu übertreffen. 1936 München lässt grüßen. Aber genau das ist auch augenöffnend, was die Qualität der Führungseliten und ihrer politischen Agenden weltweit (durchaus nicht nur in China) betrifft. Den Sportlern wünsche ich dennoch alles Gute

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