Die Logik der Gewalt

Werden Gewalttäter auch im 21. Jahrhundert für Massenmorde belohnt?

Der Krieg folgt einer eigenen Logik, welche die Maßstäbe einer menschenrechtsbasierten Politik auf den Kopf stellt. Diktiert diese Logik einmal den Gang der Ereignisse, ist sie nur schwer zu durchbrechen.

Trügerische Verhandlungsbereitschaft

Aha – Putin ist also zu Verhandlungen bereit. Mit Menschen, die er gleichzeitig als „Drogenabhängige“ und „Neonazis“ beschimpft.
Wie sollen solche Verhandlungen aussehen? Wozu werden sie führen? Vielleicht dazu, dass die „Drogenabhängigen“ in der Psychiatrie verschwinden und die „Neonazis“ in Lager gesteckt werden?
Worüber wir uns klar sein müssen: Verhandlungen mit einem Gewalttäter folgen immer der Logik der Gewalt. In einem Krieg bedeutet das: Der Gewalttäter erwartet einen Lohn für die von ihm begangenen Verbrechen.

Der Lohn der Gewalt: ein Blick in die Geschichte

Was abstrus klingt, ist nur die Logik, der Kriege zu allen Zeiten gefolgt sind. Um diese Logik nachzuvollziehen, müssen wir keineswegs auf heutige Schurkenstaaten schauen. Auch unsere eigene Geschichte bietet da reichhaltiges Anschauungsmaterial.
Beispiel Friedrich der Große: Die Schwächung der Donaumonarchie in den Österreichischen Erbfolgekriegen nutzte er zu einem Überfall auf Schlesien. Auch dies mündete in „Friedensverhandlungen“, in deren Folge Preußen 1763, nach weiteren Kriegen, das behalten durfte, was es sich mit Gewalt genommen hatte.
Beispiel Bismarck: Die Überfälle auf Dänemark und Österreich krönte er 1870 mit einer Invasion Frankreichs. Die für das angegriffene Land demütigenden Versailler Verhandlungen, die den Krieg beendeten, sind uns alle aus unserer Schulzeit bekannt.
Das Ergebnis auch hier: The winner takes it all, die Gewalt schafft sich ihr eigenes Recht. Das Opfer musste für die an ihm verübte Gewalt bezahlen und Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich abtreten.
Und? Sind wir darüber heute empört? Verabscheuen wir die beiden Massenmörder?
Weit gefehlt! Der preußische König ist für uns „der Große“, liebevoll erinnern wir uns an ihn als den „alten Fritz“. Und Bismarck gilt als großer Staatsmann, der das deutsche Volk geeint hat.

Unzureichendes Bekenntnis zur Verteidigung der ukrainischen Souveränität

So ist Gewalt, wo sie von einer übermächtigen Streitkraft ausgeübt worden ist, in der Geschichte eigentlich immer belohnt worden. Genau diese Logik gilt es zu durchbrechen, wenn wir zu einer anderen, friedlicheren Weltordnung gelangen wollen.
Aber wie? Im aktuellen Fall läuft alles auf Verhandlungen in genau jener Art hinaus, wie wir sie nach kriegerischen Auseinandersetzungen schon so oft erlebt haben. Dabei wird immer die Gewalt belohnt. Diejenigen, die sie erfolgreich angewandt haben, diktieren die Bedingungen für den „Frieden“.
Wir hätten diese Ernte der Gewalttäter verhindern können, wenn wir – so paradox das klingt – uns rechtzeitig auf die Logik der Gewalt eingelassen hätten. Damit meine ich natürlich nicht, dass wir selbst Gewalt hätten anwenden sollen. Allerdings hätte es wahrscheinlich durchaus etwas bewirkt, wenn der Westen die unbedingte Bereitschaft zur Verteidigung der ukrainischen Souveränität erklärt hätte.
Stattdessen ist das genaue Gegenteil passiert. Halbherzige Waffenlieferungen, lauwarme Solidaritätsbekundungen – das war’s. Dazu die ausdrückliche Erklärung, der Ukraine keinen unmittelbaren militärischen Beistand leisten zu wollen, weil das Land ja nun einmal kein NATO-Mitglied sei. Für Putin muss das wie eine Einladung geklungen haben: „Bitteschön – nimm dir ruhig, was du haben willst. Wir halten die Füße still.“

Kaum aufzuhaltende Gewaltspirale

Die jetzt beschlossenen Sanktionen sind kaum mehr als Nadelstiche. Einen Massenmörder jucken sie kaum, und erst recht lässt er sich dadurch nicht von seinem Tun abhalten.
Heute müssen wir eben schmerzlich feststellen, dass wir uns nie auf eine so enge wirtschaftliche und vor allem energiepolitische Kooperation mit einem KGB-Mann hätten einlassen dürfen. Dass jede härtere Maßnahme gegen Russland so auch uns selbst trifft, entspricht durchaus dem Kalkül der russischen Führung.
Jetzt, da die Gewaltspirale in Gang gesetzt worden ist, ist sie ohne Gewalt nicht mehr aufzuhalten. Alles, was wir jetzt tun, übt direkt oder indirekt Gewalt aus:
Militärisches Eingreifen könnte den Dritten Weltkrieg auslösen.
Militärisches Stillhalten bedeutet, dass wir tatenlos dem Massenmord zuschauen, den das russische Militär in der Ukraine verübt.
Härtere Sanktionsmaßnahmen, bis hin zu einem Ausschluss Russlands aus allen internationalen – auch sportlichen und kulturellen – Formen der Zusammenarbeit würde langfristig vielleicht Druck auf das russische Volk ausüben, sich gegen den Diktator zu erheben. Auch das wäre aber mit Gewalt und Tausenden von Toten verbunden.

Hilflose Appeasement-Politik

So ist der Westen einmal mehr das Opfer seiner eigenen Appeasement-Politik geworden. Zu groß war die Hoffnung, im 21. Jahrhundert nicht mehr der Logik der Gewalt folgen zu müssen.
Aber leider ist es nun einmal im dritten nachchristlichen Jahrtausend nicht anders, als es im dritten vorchristlichen Jahrtausend war: Ein Gewalttäter versteht nur die Sprache der Gewalt. Wenn man ihn nicht rechtzeitig einen Blick in das eigene Waffenarsenal werfen lässt, wird er das Mittel der Gewalt nutzen, bis er sich, wie ein steinzeitlicher Jäger, geholt hat, was er haben möchte.

Bild: Käthe Kollwitz: Plakat „Die Überlebenden“, 1922

13 Kommentare

  1. Ich habe in einem anderen Zusammenhang die Poetik-Vorlesungen von Christa Wolf von 1982 wiedergelesen. Sie beschreibt darin die bedrückende Atmosphäre in der Zeit des atomaren Wettrüstens. Als möglichen Ausweg sieht sie eine einseitige Abrüstung, die den Gegner unter moralischen Druck setzen würde. Blickt man zurück in der Geschichte, so ist die Sache nicht gut gelaufen. Russland hat den Raum, den es beherrschte, freigemacht und die NATO im Gegenzug in einer Osterweiterung alle freiwerdenden Gebiete nach und nach besetzt. Russland ist mehr und mehr an die Wand gedrängt worden und hat nicht jetzt erst begonnen, auf Verhandlungen zu dringen. Hier wäre nun Diplomatie vonnöten gewesen anstatt Rechthaberei und selbstgefälliger Morallektionen. Dieser Krieg ist lange vorhersehbar gewesen und wie in Giradoux‘ „La guerre de Troie n’aura pas lieu“ auch herbeigeredet worden. Es ging den USA und ihrer Interessenvertreterin Baerbock unter anderem um Deutschland als Absatzmarkt von Fracking-Gas. Meiner Ansicht nach wäre dieser blutige Krieg zu vermeiden gewesen, wenn das Interesse daran nicht stärker gewesen wäre. Selbstverständlich will ich die unrechtmäßige Invasion nicht rechtfertigen oder gar die Opfer zu den Schuldigen machen. Aber es gibt noch mehr Schuldtragende an diesem Krieg als Putin allein. Die Logik der Gewalt lag bereits in der diesem Krieg vorausgehenden Politik, die hier nur mit veränderten Mitteln fortgesetzt wird. Die jetzige süffisante Reaktion der Bundesregierung zeigt, dass sie nichts versteht oder nichts verstehen will und dass ihr Menschenleben gleichgültig sind. Wenn ich nun die deutschen Journalisten und Experten von Wirtschaftssanktionen reden höre, die Russland gewaltig, Deutschland aber möglichst wenig schaden sollen, so habe ich den Eindruck, dass ein totaler Realitätsverlust eingetreten ist. Soll die Zeit des Wettrüstens wiederkehren? Will man gar den Atomschlag riskieren? Hermeneutik, Dialog auf Augenhöhe und Diplomatie scheinen nicht mehr vorstellbar. Die Grünen haben nun ihre Politikwende zur Aufrüstungspartei vollzogen. Vielleicht führen sie Deutchland noch, umgekehrt als fünfzig Jahre früher die CSU, die über Atomkraftwerke zu Atomwaffen gelangen wollte, über Atomwaffen zu Atomkraftwerken.Franz Josef Strauß sagte 1987 in der Elefantenrunde: „Wer mehr Kohle verbrennen will, ist ein Verbrecher an unseren bioklimatischen Verhältnissen und an der nächsten Generation!“ Das sagt heute auch die SPD, die es damals noch bestritt, und die Grünen rufen es am lautesten (vgl. dazu https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2021/11/08/carl-friedrich-freiherr-von-weizsacker-und-die-etablierung-der-these-von-der-klimaschadlichkeit-des-co2-im-politischen-diskurs/).

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    1. P.S. Übrigens gibt es jetzt auch Sorgen um die klimaneutrale russische Kohle, von der sonst wenig geredet wird (https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/importeure-suchen-nach-alternativen-zu-russischer-kohle-17838032.html). Nicht zuletzt ist ja das KKW Heyden, dessen Betreiber Uniper den SPD-Parteitag uneigennützig mitfinanziert hat, nach Abschaltung des AKW Grohnde wieder in Betrieb genommen worden (https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2022/01/11/akw-grohnde-schaltet-aus-kkw-heyden-schaltet-an-energiewende-fossil-free/).

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  2. Lieber Herr Sternke, Sie müssen verstehen, dass die so genannte NATO-Osterweiterung nur ein vorgeschobener Grund von Putin ist. Er fühlt sich nicht von der NATO bedroht, sondern vom demokratischen Westen. Er und die anderen alten Sowjet-und KGB-Nostalgiker leben in einer anderen Welt. Sie träumen den großen panslawischen Traum vom „reinen“ Rus-Reich“, in dem die westliche Dekadenz mit Ihren Homosexuellen, Demonstrationen und freien Wahlen niedergewalzt werden. Er lebt genauso in seiner eigenen Wahn-Welt wie es Hitler getan hat. Auch damals wollte man über Verhandlungen den Krieg verhindern. Dieser Krieg in der Ukraine hätte nicht stattgefunden, wenn die Abschreckung von Anfang an funktioniert hätte. Putin hat bis jetzt in allen Verhandlungen vorsätzlich gelogen und alle Abkommen gebrochen. Er ist ein Narzisst , für den es nur ein Gesetz gibt: Das der Stärke. Wer verhandelt, hat schon verloren. Christa Wolfs Vorlesungen sind in einer anderen Zeit entstanden. der so genannte Kalte krieg hatte seine „Ordnung“. Hier müssen wir eher auf die Logik eines panslawistischen Wahngebäudes ausgehen. Wer Putin verstehen will, sollte nicht Christa Wolf, sondern Iwan Iljin lesen, der ein glühender Nationalist war und den Putin gerne zitiert. Oder Alexander Geljewitsch Dugin zuhören, der ein Inspirator sowohl Putins als auch der neuen Rechten in Europa ist. Die denkenden Menschen in Russland haben sich längst von Putin abgewandt. Zahlreiche Akademiker der Akademie der Wissenschaften haben sich in einem offenen Brief an die russische Führung gewandt. Sie schreiben. „Alle Gewalt geht allein von Russland aus“. Eine von russischen Friedensaktivisten gestartete Petition hat nun fast 1 Mio russische Unterschriften. Wir fortschrittlich und friedlich denkenden Russinnen verstehen die Putin- -Versteher in Deutschland nicht! – Sie sehen Putin als rational denkenden Menschen. er handelt zwar strategisch, aber komplett irrational. https://www.change.org/p/%D0%BE%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%82%D1%8C-%D0%B2%D0%BE%D0%B9%D0%BD%D1%83-%D1%81-%D1%83%D0%BA%D1%80%D0%B0%D0%B8%D0%BD%D0%BE%D0%B9-2ce0a2d7-b957-4e23-981a-c67a26e2b0b7?recruiter=false&utm_source=share_petition&utm_medium=facebook&utm_campaign=psf_combo_share_initial&recruited_by_id=c7cd68d0-97e7-11ec-aab1-552ea4a56f7f&utm_content=fht-32468692-ru-ru%3A2

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    1. Liebe Frau Sjemlionova,
      vielen Dank für Ihre erhellenden Erläuterungen. Ich bin kein Putin-Versteher und habe die Petition „Остановить войну с Украиной!“ sogleich unterschrieben. Meine Kritik bezieht sich vor allem auf das plumpe und selbstgefällige Verhalten der westlichen Politiker. Mein Eindruck war, dass sie diese brutale Machtpolitik, die zu stoppen sie nicht in der Lage sind, geradezu provoziert haben und weiterhin provozieren. Sie hätten versuchen müssen, einen Dialog zu führen, und sie sollten auch jetzt Anstrengungen unternehmen, um das Blutvergießen anzuhalten. Dialog ist immer besser als Gewalt.
      Putins antiwestliche Ideologie scheint das Spiegelbild zur westlichen Dekadenz zu sein, denn hier wird auf der Grundlage einer vernünftigen Position (Ablehnung von Sexismus, Homophobie, Transsexuellenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus) eine absurde intolerante totalitäre Ideologie entwickelt, die darauf ausgerichtet ist, Andersdenkende und Kritiker der Regierungspolitik zu diffamieren und zu denunzieren, indem ihnen Sexismus, Rassismus usw. (oftmals ohne Anhaltspunkt) angehängt wird. Wenn ein männlicher Bundestagsabgeordneter beansprucht, als Frau zu gelten, und Frauen vorbehaltene Rechte reklamiert, weil er sein Äußeres gemäß einem sexistischen Frauencliché ausgestaltet hat, und fast der ganze Bundestag die Maskarade mitspielt, ist das tatsächlich dekadent. Nostalgischer Panslawismus oder postfaktischer und transhumanistischer Westen, beides kann ich nicht als positiv wahrnehmen, weil eine vorurteilslose Menschlichkeit, die von Äußerlichkeiten absieht, aufgegeben wird.
      Mein besonderer Groll gegen die deutsche Politik war durch die Worte eines ihrer Vordenker, des Windkraftanwalts Prof. Dr. Maslaton, gereizt worden, der Putins Panzer als Drohmittel einsetzt: „Mögen sich all die Bedenkenträger die vom Rot Milan über schöne Landschaftsaussichten, imaginären Flugverkehrs Problemen und anderen Unfug hinweg meinen (erneuerbare) Energieversorgung (erneuerbare) verhindern zu müssen sich fragen, ob sie denn statt in die dann ‚verbaute Landschaft‘ in die Kanonenrohre russischer Panzer blicken wollen?!“ Vor nicht allzu langer Zeit schrieb er noch: „Die Änderung der FFH und der Vogelschutzrichtlinie ist nötig und im EU-Parlament auch möglich durch eine diabolische Allianz mit rechtsnationalen Kräften. Biografisch bedingt kann ich diese Allianz nicht fördern – rational müssen die dem Klimaschutz und der Energiewende Verpflichteten genau dies tun.“
      Ich sehe zwischen Putin und den Vertretern der deutschen Politik mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Zur Erreichung ihrer Zwecke sind ihnen alle Mittel recht.
      Die rein psychopathologisch argumentierende Putinkritik ist für mich schwer nachvollziehbar, weil ein Einzelner, selbst wenn er mit großer Machtvollkommenheit ausgestattet ist, doch ohne sozialen Rückhalt nicht so handeln kann, wie Putin handelt. Es muss noch mehr geben, die so denken wie er. Aber Ihr Hinweis auf die Petition war für mich wichtig.
      Herzliche Grüße
      Ihr René Sternke

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  3. Wenn man die beiden genannten Autoren liest, wird einem schlecht. Auf einer Seite mit Namen „Anti-Empire“ findet sich ein Aufsatz Dulgins vom 5. Februar. Dort schreibt er (übersetzt): „Obwohl die Hauptrichtung nach Westen geht, ist es wichtig, unsere Schritte zu differenzieren.
    Parallel zur Ostslawischen Union muss die Eurasische Union verwirklicht werden. Der versuchte Aufstand in Kasachstan und der Taliban-Faktor in Afghanistan haben uns daran erinnert, dass es auch in Zentralasien wackelig ist. Auch dort müssen wir entschieden handeln. Unsere Freunde und Verbündeten müssen schnell entscheiden, inwieweit sie echte Freunde sind. Und entsprechend zu handeln, anstatt Russophobe auf Ministerposten zu berufen. Das muss ernsthaft bezahlt werden.
    Wir haben einen großen Verbündeten – China, das noch etwas Symmetrisches zu Taiwan und zum Schutz der territorialen Integrität durchmachen muss – in Xinjiang, Tibet und in den Grenzgebieten. Seine Unterstützung ist der Schlüssel. Der Westen führt einen Krieg an zwei Fronten – mit uns und mit den Chinesen. Das ist eine einmalige Gelegenheit – wir sind ein Militärkoloss, China ist ein Wirtschaftskoloss. Zusammen sind wir mit dem Westen vergleichbar und übertreffen ihn sogar. Und vor allem: Sie im Westen sind die Vergangenheit, wir sind die Zukunft.
    Es ist wichtig, andere Verbündete einzubeziehen, insbesondere den Iran und Pakistan (wir stehen kurz vor Gipfeltreffen mit diesen Ländern). Außerdem muss zumindest die fast garantierte Neutralität der Türkei und Indiens gesichert werden.
    Und dann können wir anfangen….
    Wir sind am besten im direkten Handeln, im Krieg.. Wir verlieren und verwirren uns in Verhandlungen und die Zeit wird knapp. Nach dem ersten entscheidenden Schritt finden wir uns in einer neuen Realität mit neuen Gesetzen wieder.
    Wir werden es dort herausfinden.“
    Der Krieg war wahrscheinlich schon längst geplant als Putin noch sein verlogenes Lächeln in den Verhandlungen aufsetzte. Es geht um den Sieg „Eurasiens“ über den dekadenten Westen. Das ist so klar wie beängstigend. Nur mit der Unterstützung Chinas hat man sich verzockt.

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    1. Liebe Eva,
      ich habe, ausgehend von Ihrem kritischen Kommentar auf meinem Blog (https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2022/03/10/fake-im-spiegel/), meinen Beitrag noch einmal überdacht und vor allem überprüft, denn ich weiß, dass die Wahrheit unabhängig von Personen existiert und jeder sich irren kann. Nun habe ich ein Fragezeichen hinter den Titel gesetzt und noch einen Absatz hinzugefügt, denn ich wollte den Beitrag nicht so einfach sang- und klanglos verschwinden lassen. Letztlich bin ich jedoch verunsichert, denn es ist unmöglich, in dieser Sache zu einer Gewissheit zu gelangen. Es bleiben Misstrauen gegenüber allen und Zweifel an allem. Wichtig scheint mir zu sein, dass man nicht Gefangener einer Position wird und auch in dieser Zeit, in der die Fronten sich verhärten und die Meinungen sich festzufahren drohen, mit Personen, die eine andere Auffassung vertreten, im Dialog bleibt.
      Herzliche Grüße
      René

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  4. Lieber Herr Sternke, Sie scheinen mir ein Mensch mit einem unerschütterlichen Glauben an die menschliche Vernunft zu sein. Vielleicht weil Sie sich an einen Strohhalm klammern wollen. An den Strohhalm, dass es eine Möglichkeit gegeben hätte …wenn doch der Westen???? – Das ist aber in diesem Fall leider wirklich ein Strohhalm. Ich bin ein mittlerweile alter Russe und habe viele Jahre als Psychiater in Österreich gearbeitet. Und ich sage Ihnen: Putin handelt nicht rational und seine Handlungsweisen haben nichts mit Argumentation oder auch seinen vorgeschobenen Legitimationen zu tun. Diese Wahrheit ist viel erschreckender als ein Vorwurf an die NATO oder „den Westen“. Denn damit ist klar: Putin ist außer Kontrolle. Auf Deutsch sagt man; Er hat sich mental verrannt. Um das zu verstehen, muss man Dostojewskij lesen. Преступление и наказание. Rodion Romanowitsch Raskolnikow. zeigt viel eher, was es bedeutet sich ganz einer Ideologie hinzugeben als irgendwelche Gedanken an angeblich versäumte Verhandlungen. Hätte man mit Raskolnikov über die Ermordung seiner Wirtin „verhandeln“ können? – Unsere Gespräche über die Osterweiterung der NATO oder ähnliches sollen uns die Angst vor der Wahrheit nehmen. Vielleicht wollen wir damit auch so tun als hätten wir eine Art interkulturelles Verständnis. Das ist aber nicht die Wahrheit: Nämlich, dass wir einem kranken und unberechenbaren Narzissten ausgeliefert sind. Er zerstört auch Russland! Raskolnikov wurde am Schluss geläutert. Dostojewskij kannte die zerrissene russische Seele ganz genau, aber er wollte uns nicht ganz ohne Hoffnung lassen,. Also hoffen Sie, Ich versuche es auch. Aber lassen Sie den Strohhalm los, der vielleicht auch nur eine Form westlichen Selbsthasses ist .und dies kann auch auf Dauer auch (selbst-) zerstörerisch wirken.

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    1. Lieber Herr M.
      Ihre Worte haben mich sehr berührt. Als Psychiater wissen Sie gewiss besser, wie man mit einem Menschen mit narzisstischer Störung umgeht als ich. Immerhin fordert Putin ja einen Dialog und hat ihn schon vor der Invasion gefordert. Das unterscheidet ihn von Raskolnikovl. Meines Erachtens haben die deutsche Außenministerin und der Kanzler sich plump angestellt und mit ihren süffisanten Belehrungen auch noch provoziert. Die Waffenlieferungen können auch nichts Gutes bewirken. Ich hoffe, dass das Leiden schnell beendet wird, Früher oder später wird es Gespräche geben müssen. Der Krieg kann doch nicht fortlaufen, bis es nichts mehr zu zerstören gibt.
      Die Putin-Versteher thematisieren die Osterweiterung der NATO und den Umgang mit den Russen in der Ukraine. Auch wenn man damit die militärische Aggression auf keinen Fall rechtfertigen kann, so sprechen sie doch Themen an, die behandelt werden müssen. Ich habe Mühe, eine Lesart dieses Krieges zu akzeptieren, die sich auf ein Psychogramm Putins reduziert. George Friedman empfiehlt 2015 auf der Veranstaltung „Europe: Destined for Conflict?“ den USA, Deutschland und Russland gegeneinander auszuspielen, weil die Verbindung deutscher Technologie und russischer Rohstoffe den USA gefährlich werden könne. Dabei weist er auf die Möglichkeit hin, die Ukraine zu instrumentalisieren, die mit ihren russischen und ukrainischen Bürgern in ihrem Inneren ein großes Konfliktpotential besitzt und den Schutz des Westens benötigt (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=QeLu_yyz3tc). Ich glaube, dass nicht Putin allein im Vorfeld und während dieses Konflikts eine ungute Rolle gespielt hat und spielt.
      Herzliche Grüße
      Ihr René Sternke

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  5. Interessanter Text, spannende Kommentare. Es stimmt: Alle, die meinen, man habe diplomatisch etwas erreichen können oder man müsse jetzt nachgeben, möchten die „Logik der Gewalt“ , die Putin und seine Hofschranzen ums aufzwingen. nicht wahrhaben. Mir fällt das auch schwer. Meine Sozialisation, die zur Zeit des Protestes gegen den NATO-Diopelbeschluss stattgefunden hat, spricht dagegen. Wir wollen sich nicht sehen, dass wir es mit einem mental verirrten Narzissten zu tun haben und nicht mit einem Argumenten zugänglichen Menschen. Aber was nützen diese Erklärungen. Ich fühle mit den Menschen in der Ukraine und denen, die in Russland unterdrückt und inhaftiert werden und ich habe eine Sch… Angst!

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