Verhandlungen mit einem Amokläufer

Es gibt kriegerische Konflikte, an deren Ausbruch beide Seiten eine Mitschuld tragen. Dann können Verhandlungen zu Kompromisslösungen führen. Bei einem Angriffskrieg diktiert jedoch der Aggressor die Bedingungen für eine Verhandlungslösung.

Ein sonniger Vorfrühlingstag. Du gehst im Park spazieren, begierig auf ein paar unbeschwerte Stunden, darauf, endlich wieder diese ungetrübte Lust am Leben spüren zu können, die dir in all den düsteren Seuchenmonaten verwehrt war.
Leider geht aber jenseits der Grenze – nach den Maßstäben deiner Zeit nur einen Katzensprung von dir entfernt – eine ganze Armee von Amokläufern um. Wahllos löschen sie alles Leben aus, das sich ihnen in den Weg stellt.
Deshalb sind da jetzt diese Bilder, die du einfach nicht aus dem Kopf bekommst. Bilder von brennenden Häusern und zu Tode verängstigten Menschen in Schächten und Kellern. Bilder, die dir vorkommen wie Alpträume aus einem vergangenen Jahrhundert.
Es erscheint dir nicht nur obszön, die Sonne zu genießen, während anderswo die Sonne für immer unterzugehen droht. Du fürchtest auch, die Sonnenfinsternis könnte bald ebenso dein eigenes kleines Glück für immer verdunkeln.
Also beschließt du, mit dem Obersten Amokläufer zu verhandeln. „Lieber Herr Amokläufer“, bittest du ihn, „wir möchten doch alle gerne in Frieden leben. Kannst du dich nicht ein bisschen zusammenreißen?“
Der Amokläufer interessiert sich zunächst nicht für deine Worte. Er gibt nur ein unverständliches Knurren von sich und lässt die anderen Amokläufer weiter mit ihren High-Tech-Waffen um sich schießen.
Als du ihn noch flehentlicher ansprichst, gibt er schließlich nach. „Na gut“, gesteht er dir grimmig zu, „ich will mal nicht so sein. Das Land, auf dem meine Opfer gelebt haben, musst du mir aber überlassen.“
„Aber Herr Amokläufer“, wendest du ein, „das geht doch nicht! Das wäre ganz gegen die guten Sitten!“
„Na gut“, bietet er mir großmütig an, „weil du’s bist. Meinetwegen kannst du einen Grenzstreifen behalten. Dafür morden wir aber noch ein bisschen weiter.“
Und jetzt? Wirst du dich auf das Angebot einlassen? Schließlich hast du mit dem Amokläufer bislang immer gute Geschäfte gemacht – und die möchtest du nicht für alle Zeiten aufgeben. In gewisser Hinsicht bist du sogar abhängig von ihm, um deine Geschäfte am Laufen zu halten.
Aber was, wenn der Amokläufer – ermutigt durch die fette Beute, die ihm sein Amoklauf eingebracht hat – auch gegen dich selbst demnächst Amok läuft? Wie sollst du dann mit ihm verhandeln? Was kannst du ihm dann noch anbieten, um ihn von seinem Tun abzuhalten?
Ohne dich auf das Angebot des Obersten Amokläufers einzulassen, gehst du wieder zurück in den Park. Die Sonne streichelt dir noch immer über die Wangen, die Erde erzittert wie in jedem Frühling unter dem aufblühenden Leben.
Du aber bleibst gefangen in dem unsichtbaren Käfig, in den der Amokläufer dich gesperrt hat. Wirst du ihn je wieder verlassen können?

Postskriptum für alle, die sich über den plötzlichen Einbruch des Literarischen in die politische Welt des Rothen Barons wundern:
Das bestialische Töten in der Ukraine gehört zu jenen Dingen, von denen man wohl für gewöhnlich sagt, dass sie einen „sprachlos“ machen. Auf der anderen Seite bedingt gerade die Ungeheuerlichkeit der dort verübten Verbrechen, dass wir nicht darüber schweigen dürfen. Die jetzt von mir gewählte Textform ist daher der Versuch, trotz allem etwas über das Unsägliche auszusagen.

4 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Text und Du hast natürlich vollkommen Recht. Aber es geht nicht darum, Recht zu haben. Um das Blutvergießen nicht andauern zu lassen, gibt es meines Erachtens keine andere Möglichkeit, als mit dem Amokläufer, der Verhandlungen fordert, zu verhandeln. Vgl. https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2022/03/04/wem-nutzt-der-krieg-in-der-ukraine-wessen-interessen-vertritt-die-bundesregierung/
    Belehrungen, Drohungen und Sanktionen können, wie wir sehen, nichts als weitere Eskalation bewirken.

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  2. Je länger dieser Krieg dauert, desto mehr wird kaputtgemacht. Je mehr kaputtgemacht wird, desto mehr lässt sich am Wiederaufbau verdienen. Ursula von der Leyen, deren Sohn David, als sie Verteidigungsministerin war, die Bundeswehr beraten hat, was in einen unaufgeklärten Skandal mündete, deren Ehemann Heiko zu Covidimpfstoffen und Gentherapien forscht und, während sie verschiedene und teils dunkle Impfstoffgeschäfte für die EU tätigt, einen hohen Posten in der Pharmaindustrie antrat und die noch weitere sechs Kinder, um die sie sich kümmern muss, hat, sagte bereits über die Ukraine und die EU: „They are one of us and we want them in.“ Es werden jedoch mehr und mehr Menschen getötet oder schwer verletzt und es entstehen fortdauernd Schäden, die irreparabel sind. Dieser verbrecherische Krieg sollte umgehend durch Verhandlungen und Zugeständnisse seitens der NATO gestoppt werden!

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