Verkehrte Welt

Der neue Wertekanon nach dem Ukrainekrieg

Der russische Angriff auf die Ukraine und die Zuschauerrolle, die der Westen bei den Verbrechen der russischen Armee einnimmt, stellen den bisherigen Wertekanon auf den Kopf. Hier eine kleine Auswahl der neuen Werte.

  1. Wenn du einem Fußkranken nicht auf die Beine hilfst, ist das unterlassene Hilfeleistung. Wenn neben dir ein ganzes Volk abgeschlachtet wird, musst du ihm nur dann zu Hilfe kommen, wenn es zuvor einen förmlichen Vertrag über gegenseitige Hilfeleistung mit dir abgeschlossen hat.

2. Wenn du für das Ende einer Entführung Geld verlangst, ist das Erpressung. Wenn du mit Waffengewalt drohst, falls einem von dir gemarterten Opfer Hilfe geleistet werden sollte, ist das taktisches Geschick.

3. Wenn du einen einzigen Menschen planvoll tötest, ist das Mord. Wenn du ein ganzes Volk auslöschst, ist das eine Säuberungsaktion.

4. Wenn du das Haus deines Nachbarn in Brand steckst, ist das ein Verbrechen. Wenn du eine ganze Stadt niederbrennst, ist das eine strategische Meisterleistung.

5. Wenn du einen Supermarkt plünderst, ist das ein Raubzug. Wenn du ein ganzes Land als Beute nimmst, ist das eine Eroberung. Für einen Raubzug kommst du ins Gefängnis, für eine Eroberung in die Geschichtsbücher.

6. Wenn du Geiseln nimmst, um deine Forderungen durchzusetzen, ist das Nötigung. Wenn du deine Geiseln gleich erschießt, ist das eine Demonstration der Stärke. Der Geiselnehmer wird von der Polizei erschossen. Vor dem Geiselmörder weichen ganze Armeen zurück.

7. Menschenrechte sind nur von lokaler Bedeutung. Sie sind ein Luxusgut, auf das nur diejenigen Anspruch haben, die es sich leisten können.

8. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt nur für diejenigen, die stark genug sind, es gegen andere zu behaupten.

9.Nur wer notfalls bereit ist, das Recht anderer auf körperliche Unversehrtheit zu verletzen, kann sein eigenes Recht auf körperliche Unversehrtheit bewahren.

10. Abrüstungskonferenzen dienen dazu, sich in Ruhe für den nächsten Krieg zu rüsten.

11. Völkerverständigung bedeutet: Verständigung der größeren Völker über die Aufteilung der kleineren Völker, als ihrer natürlichen Beute.

12. Vertrauensbildende Maßnahmen sind ein Wiegenlied. Wem dabei die Augen zufallen, der wird im Schlaf getötet.

2 Kommentare

  1. Ich sehe derzeit allein das unerträgliche Unglück der Menschen, Kinder vor allem, die plötzlich ungreifbare Angst und den zynischen, sich als Schicksal verkleideter Tod (aber er ist ja der eiskalt kalkulierte!, der uns zeigt, wie gut es uns doch geht), die Katastrophe. Dieses Geflecht aus pathologischen Grausamkeits-Entscheidungen und grausam-leichtfertigen, sensationsorientierten Medien – die Selbstgerechtigkeit der „Guten“, denen es noch allerbestens geht, noch, noch, – und alles geht ja woanders, überall immer woanders, nicht nur in der Ukraine, immer weiter – das schafft eine Unwirklichkeit, die nur von Zeit zu Zeit in andere Wirklichkeiten neben Dir einbricht wie zufällig auf schmelzendem Eise umherirrend.
    Ich bin überzeugt, dass man hätte mit einer respektvollen Diplomatie-Gesprächskultur, die sich allerdings jahrelang nach festzulegenden Regeln hätte entwickeln müssen, solche Konflikte verhindern können. (Wie absurd diese ganze Coach-Meditations-Gesprächs-Kultur-Workshop-Industrie angesichts dieser labilen streichholzdünnen entzündlichen Gerüste der nur von den mal blutigen, mal blütigen Wirtschaftsregeln vag zusammengeklebten Gerüste…
    Da aber Geld, Gier, Macht und damit Vernichtungswille als Gewaltmonopol einer zerstörerischen Selbstgefälligkeits-Stärke die Welt hierhin und dahin lenken und treiben (gekaufte und korrumpierte Politiker, Wirtschaftler und Medien, Ungerechtigkeiten in der Arbeits-und KONSUMWELT; Menschenhandel und Tierquälerei von den politischen Gesetzen geschützt bleiben), ist dieser ganze Satz utopisch.
    Kultur versagt angesichts der Unberechenbarkeit so vieler komplexer Interessenlagen, die Grenzen überschritten und buchstäblich über Leichen marschieren.Information ist nicht selten weder „wahrhaftig“ noch verifizierbar und so zum Konsumobjekt in einem Medien- Angebots-Markt geworden,und dessen Wirkungen bewegen sich oft willkürlich bis an die Ränder missverstandener Aufforderungen zu friedensgefährdenden, die menschliche Würde negierenden Reaktionen. Deshalb sollte sich so mancher „Informations-Macher „an seine berufliche Ethik und vor allem an seine Verantwortung erinnern. Der „Krieg der Medien“, er grassiert doch längst in allen Gesellschaften.

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    1. In eine ganz ähnliche Richtung gehen meine Gedanken in der Interpretation des Liedes „Kladbischtsche“ von Boris Grebenschtschikow: „Mörderischer Materialismus: „Vor dem Hintergrund von Grebenschtschikows Lied erweisen sich damit sowohl die Aggression gegenüber der Ukraine als auch die mangelnde Verteidigungsbereitschaft des Westens als Folge eines Verlusts der eigenen Mitte. Wo nicht innere Erfüllung im Vordergrund steht, sondern äußerer Wohlstand, geht das Gefühl für den wahren Sinn des Lebens mit der Zeit verloren.
      Das Ich muss sich dann immer neue Throne aus materiellen Gütern erschaffen, um dem Tal seiner inneren Leere zu entfliehen. Anstatt nach innerer Harmonie zu streben, sucht es immer neue Formen äußerer Ersatzbefriedigung – was jedoch die innere Leere nur immer weiter verstärkt. Als Folge davon werden die Gier nach materiellen Gütern und das Festklammern daran immer maßloser und aggressiver. Daraus entsteht ein Teufelskreis, der im Wortsinn „mörderisch“ ist.“. Der Dichter und Sänger hat sich übrigens in einer kurzen Videobotschaft ganz klar gegen diesen Krieg positioniert. Hier der Post dazu: https://literaturplanetonline.com/2022/03/12/die-hungrigen-geister-und-der-befreite-geist-the-hungry-spirits-and-the-liberated-spirit-2/

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