Selbstbestimmung auf Putinesisch

Kurzkommentar zur russischen Referendumsfarce

Sie treten deine Tür ein.
Sie treten dich ins Gesicht.
Sie treten über dich hinweg.
Sie zertreten deine Existenz.

Sie vergewaltigen deine Frau.
Sie vergewaltigen deine Tochter.
Sie vergewaltigen deine Mutter.
Sie vergewaltigen deine Seele.

Sie verwüsten deine Wohnung.
Sie verwüsten deine Stadt.
Sie verwüsten dein Land.
Sie verwüsten dein Leben.

Sie stehlen, was sie nicht verwüstet haben.
Sie stehlen deine Sicherheit.
Sie stehlen dein Gottvertrauen.
Sie stehlen deine Freiheit.

Wer sich wehrt, ist ein Terrorist für sie.
Wer sie kritisiert, ist ein Feind des Volkes.
Wer sie Zerstörer, Diebe, Vergewaltiger nennt,
verkennt die Realität ihrer wohltätigen Verbrechen.

Dann halten sie dir die Pistole an die Schläfe
und fragen dich:
„Möchtest auch du Teil dieser ruhmreichen Bande sein,
die solche triumphalen Taten vollbringt?“

Nun hast du die Wahl:
die Wahl zwischen einem sofortigen Tod
und einem Tod auf Raten, einem Dahinsiechen
von allem, was du bist:

dem Verlust deiner Sprache, deiner Kultur,
deiner Identität, deiner Würde.
Eine solche Wahl aber nennen sie:
„Selbstbestimmung!“

Bild: Ephraim Moses Lilien (1874 – 1925): Der entfesselte Prometheus, aus einem Buch aufsteigend und mit einer Peitsche Krähen vertreibend; im Hintergrund die Moskauer Basilius-Kathedrale (Ex Libris Maxim Gorki, 1905); aus: Ephraim Moses Lilien: Briefe an seine Frau, 1905 – 1925, herausgegeben von Otto M. Lilien und Eve Strauss, Einleitung von Ekkehard Hieronimus. S. 70. Königstein/Ts. 1985: Jüdischer Verlag Athenäum (Wikimedia commons).

2 Kommentare

    1. Hier geht es weniger um Westen gegen Osten, sondern um konkrete Menschen, ihr Leid, Menschenrechtsverletzungen, Folterungen und Unterdrückung. In Russland sitzen Tausende Menschen in Gefängnissen, werden erniedrigt und gefoltert, weil sie Putins Politik kritisiert haben. Eine fehlerhafte Demokratie mit all ihren Verlogenheiten ist immer noch besser als ein Terrorregime wie in Nordkorea oder jetzt eben auch Russland. Die Menschenrechtsverletzungen der USA relativieren gar nichts. Sie helfen den konkreten Opfern des russischen Überfalls gar nichts. Sie lindern deren Leid nicht und machen dien Staatsterrors von Putins Regime auch nicht verzeihlich. In der „westlichen“ Diskussion geht es mir viel zu abstrakt zu. Hier werden konkrete Leben von konkreten Menschen zerstört Familien verlieren ihre Kinder in einem sinnlosen Krieg eines Massenmörders, der nie etwas anderes war.

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