Populismus und Autoritarismus

Handlungsmuster und rhetorische Mittel des neuen Autoritarismus

Kunkel__Hitlers_Redegewalt

Seit der Erstveröffentlichung dieses kleinen Glossars im Januar 2017 ist die populistisch-autoritaristische Welle leider nicht abgeebbt. Weltweit steht die Demokratie unter Druck, überall werfen die populistischen Rattenfänger ihre Netze aus und ködern das Volk mit paradiesischen Verheißungen. Einmal an der Macht, machen sie sich den Staat zur Beute und zäunen ihre Eroberung mit autoritären Strukturen ein, die auf demokratischem Wege kaum noch zu überwinden sind.

So erschien es mir sinnvoll, das Glossar zu aktualisieren und zu überarbeiten. Vielleicht hilft es ja doch etwas, wenn man die Fake-Welten der populistisch-autoritären Potentaten immer wieder mit der Wirklichkeit konfrontiert.

Populismus und Autoritarismus.pdf neu

 

Bild: Ernst Kunkel: Hitlers Redegewalt, um 1922/23, Öl/Pappe. Württembergisches Landesmuseum, Zweigstelle Waldenbuch. Quelle: https://www.kontextwochenzeitung.de

  6 comments for “Populismus und Autoritarismus

  1. August 28, 2019 um 4:25 pm

    Ich wünsche mir eine Populismus-Definition. Das Populismus-Konzept ist sehr unscharf und der Populismus-Vorwurf kann daher als Ausgrenzungsverfahren sehr bequem genutzt werden. Ich bin auch der Meinung, dass populistische Techniken nicht nur von den leicht als Populisten identifzierbaren Akteuren benutzt werden. Die Tendenzen zum Demokratieabbau lassen sich an vielen Stellen beobachten und die Populisten, die im Zentrum des Glossars stehen, sind nur die Spitze des Eisberges. Ein populistischer Bolsano benennt seine Ziele offen und in aller Widerlichkeit, während ein heuchlerischer Macron beinahe hinter seinem eigenen Rücken handelt (vgl. z.B. https://www.lexpress.fr/actualite/societe/environnement/amazonie-des-associations-denoncent-l-hypocrisie-d-emmanuel-macron_2095735.html).

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    • August 29, 2019 um 12:46 pm

      Der Populismus fängt natürlich schon damit an, dass es zu vielen Themen keinen echten Diskurs der Argumente gibt, sondern mit die Emotionen ansprechenden Slogans ud Parolen gearbeitet wird. Mir ging es um die Verbindung zum Autoritarismus bis hin zur Diktatur. Trotz aller Löchrigkeit der westlichen Demokratien, über die ich mich auch schon ausgiebig hier auf meinem Blog ausgelassen habe,hätten die Menschen hier und in Frankreich die Möglichkeit, eine Gegenöffentlichkeit umzusetzen sofern sie wollten. Es gibt Pressefreiheit. Meine Definition ergibt sich aus den beschriebenen Mechanismen.

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  2. September 18, 2019 um 8:38 pm

    Was mich am Populismuskonzept stört, ist, dass es nur die rechten Totalitarismusbestrebungen erfasst und gleichzeitig Teil der Rechtfertigungsargumentation des linken Totalitarismus ist. Die gegenwärtige Situation in Deutschland ist der am Ende der 20er und zu Beginn der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts sehr ähnlich. Wieder konkurrieren ein rechter und ein linker Totalitarismusentwurf miteinander. Ich empfinde den grünen Totalitarismus als viel gefährlicher als den blauen, denn er hat schon viel mehr Boden unter seine Füßen gebracht, indem er sich mehr auf die Eliten als auf die Masse konzentriert hat, im Dienst mächtiger Wirtschaftszweige entwickelt worden ist, in die Institutionen eingedrungen ist, seine Ideologie zum normalen Denken vieler Bürger gemacht hat, die Medien weitgehend unter Kontrolle gebracht und gleichgeschaltet hat, einen großen Teil der Bevölkerung hysterisiert hat, die Jugend funktionalisiert hat, Idealismus und Opferbereitschaft zu erzeugen und zu benutzen weiß, Feindbilder („Klimaleugner“) geschaffen hat, Ausgrenzungsmechanismen zur Ausgrenzung der Feinde funktionsfähig gemacht hat, große Teile der Zivilgesellschaft durch Einflussnahme über die NGOs unter seine Leitung gebracht hat, Minderheiten (Infraschallopfer) zur Opferung freigegeben hat, den Rechtstaat und das Rechtsbewusstsein an vielen Stellen aufgeweicht hat, zentrale Schutzgüter (Natur, Gesundheit) preisgegeben hat, die Sprache und das Denken erfolgreich deformiert hat. Daneben sind die Populisten, die auch unappetitlich sind, Waisenknaben. Der eine hat Zähne, die er im Gesicht trägt, und der andere ein Messer, das man nicht sieht.
    https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2019/09/16/social-engeneering-und-grune-ideologie/
    https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2019/09/17/die-wegbereiter-des-grunen-totalitarismus-grenzen-den-freien-horizont-aus/

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    • September 19, 2019 um 4:44 pm

      Das Unbehagen, der Meinungsgleichschaltung gegenüber teile ich ganz und gar. Meine Einstellung zu den Grünen ist ambivalent. In ihren Positionen zum Thema Menschenrechten und Bildung kann ich mich durchaus wiederfinden. Den Überlegensheitsgestus, mit dem sie ihre Sicht auf das Thema Ökologie vortragen, ist unangemessen und unerträglich. Und: Es ist die Partei der hedonistischen Großstadteliten, eine Lifestylepartei. Letztens sagte ein Naturschützer alten Schlages im Gespräch: „Das einzige Ökosystem, dass den selbst ernannten Klimaschützern wirklich am Herzen liegt, ist die eigene Darmflora.“ Brutal ausgedrückt, aber vielleicht mit einem wahren Kern.

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  3. September 19, 2019 um 9:55 pm

    Die Positionen der Grünen zu Bildung und Menschenrechten kann ich nicht mehr ernst nehmen. Das ist der Köder, den man uns hinhält, damit wir anbeißen. Es ist so, wie wenn der BUND etwas für die Bienen macht, um sich dadurch als Naturschutzorganisation zu beglaubigen, um dann aus dieser Position heraus die Naturschutziniatitive e.V., die Deutsche Wildtier Stiftung und alle wahren Naturschützer als Tarnorganisationen der Windkraftgegner, Klimaleugner und Atomlobbyisten zu bekämpfen und die geschützten Arten der Windkraftlobby auzuliefern. Alle Totalitarismen sind stets im Namen des Guten und niemals im Namen des Bösen angetreten.

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  4. November 10, 2019 um 9:11 pm

    Ich benötige wieder einmal Hilfe. Ich habe in einem Blogbeitrag unter dem Titel „Wie die Windkraft Familien ins Unglück stürzt“ das Schicksal einer Familie vorgestellt. Dieser Beitrag ist auf einer anderen Seite repostet worden, wo eine Kommentatorin die Vermutung ausgesprochen hat, dass die betroffene Familie ihre schlimme Lage durch ihr Wahlverhalten selbst verschuldet hat (https://www.journalistenwatch.com/2019/11/09/dreist-baerbock-abstandsregeln/). Die Leserin steht, wie aus anderen Kommentaren hervorgeht, der AfD nahe. Über das Wahlverhalten der betroffenen Familie wissen wir nichts, aber vieles spricht dafür, dass sie ähnliche Wertvorstellungen wie der Rothe Baron oder ich selbst hat und also die AfD nicht wählt. Geht man nun einmal davon aus, finde ich es sehr schwierig, der Kommentatorin etwas entgegenzuhalten, denn jeder, der CDU, SPD, Grüne, CDU, Freie Wähler, FDP, Tierschutzpartei usw. wählt, wählt Windräder. (Ich selbst habe bei der letzten Kreistagswahl für den Freien Horizont kandidiert, um eine Alternative sowohl zur AfD und als auch zu den Windrädern anzubieten, aber der Freie Horizont tritt nur in Mecklenburg-Vorpommern an.) HInzu kommt, dass die Parteien, die sich die demokratischen nennen, (mit Ausnahme des Freien Horizonts) mit ihrer Energie- und nun auch noch Klimapolitik zentrale Schutzgüter wie die körperliche Unversehrtheit oder den Erhalt der geschützten Arten mit Füßen treten. In meinem Bekanntenkreis wird die AfD pauschal als indiskutabel abgelehnt, sodass auch keine inhaltliche Auseinandersetzung damit stattfindet. Gegenwärtig bemühe ich mich, im Kreis Vorpommern-Greifswald ein Bündnis aller Bürgerinitiativen gegen Windkraft und andere Formen der Industrialisierung des ländlichen Raumes, die diesen als Lebensraum vernichten, zu bilden. Bisher ist ein derartiges Bündnis immer an einander ausschließenden Positionen zur AfD wie zur NPD gescheitert und der Freie Horizont, der sich klar von beiden abgrenzt, hat in dieser Situation weder als Partei noch als Aktionsbündnis in Vorpommern als integrierende Kraft wirken können, sodass wir eine offene Wählergruppe von Parteilosen improvisieren mussten, um ihn in Vorpommern-Greifswald in den Kreistag zu bringen. Wie gehe ich mit dem „Populismus“ um? Ich kann zwar zeigen, dass die AfD nicht gut ist, aber ich kann nicht aufzeigen, dass die „demokratischen“ Parteien besser sind. Letztlich sind hier alle Bürgerinitiativen politisch neutral und unabhängig und keine vertritt rechtsextreme Ideen, aber über die Frage nach möglichen Verbündeten in der Politik gehen die Ansichten weit auseinander, zumal das Angebot nicht groß ist. Während die CDU in Brandenburg und in Thüringen mit den Bürgerinitiativen kommuniziert, verhält sie sich in Mecklenburg-Vorpommern, wo sie der ewige Steigbügelhalter und Stiefellecker einer windkraftlobbyistischen SPD ist, ihnen gegenüber abweisend.

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