Friedhofsruhe auf dem Schulhof

Wie die Kaserne der Nation vor dem Umbau bewahrt wurde

Die Corona-Krise hätte als Anstoß für die Umsetzung überfälliger Schulreformen genutzt werden können. Ansätze dazu sind jedoch im Keim erstickt worden.

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Darum geht’s:

Kulturkampf um die Schulöffnungen

„Das deutsche Schulsystem verstetigt soziale Ungerechtigkeit, anstatt sie zu kompensieren, und es erschwert die Herausbildung von Lernlust und -kompetenz. Niemand – am allerwenigsten die sozial Benachteiligten – konnte ein Interesse daran haben, dass dieses Schulsystem so schnell wie möglich unverändert aus dem Lockdown erwachen würde.“

Das Corona-Wunder und der heilige „Stoff“

„Manche Kinder haben in der ereignislosen Lockdown-Zeit ein ganz neues Interesse am Lernen entwickelt. Mittlerweile ist ihnen dies durch das Bulimie-Lernen für die Klassenarbeiten wieder gründlich ausgetrieben worden.“

Schule als Kaserne der Nation?

„Würde die Dressur (…) nicht durch das Drillsystem, welches in das für die Charakterbildung entscheidende Alter fällt, unverlöschlich eingeprägt, so könnte auch das Dressursystem sich nicht auf die Dauer behaupten.“

(Wilhelm Liebknecht, 1872)

Gründe für die überhastete Rückkehr zum Regelbetrieb

„Da Homeoffice und Homeschooling sich schlecht miteinander vereinbaren lassen, wurde die Schule als Aufbewahrungsanstalt benötigt. Auch die stümperhafte Umsetzung der Digitalisierung an den Schulen hat die Rückkehr zum Regelbetrieb beschleunigt.“

Erstickte Revolution

„Am Ende hätten die Schulen durch das ‚Corona-Wunder‘ vielleicht kein angepasstes, vielseitig verwendbares ‚Humankapital‘ mehr ausgespuckt, sondern kritische Geister, die selbst hätten gestalten wollen, was man durch sie gestalten lassen möchte.“

Reformmodelle: Wochenplan, Portfolioarbeit, Projektunterricht

„Individualisierung, Differenzierung, Handlungsbezogenheit, Lebensweltorientierung, Vernetzung, Verbalbeurteilungen statt Ziffernnoten: Es gibt seit Jahren erprobte Modelle, mit denen man diese zentralen Reformideen umsetzen kann.“

Die Utopie eines reformorientierten Corona-Unterrichts

„Bei einem konsequenten Infektionsschutz an den Schulen wären uns viele Reformaspekte als Beifang ganz von selbst in den Schoß gefallen.“

Maskenkrampf statt frischer Reformluft

„Wenn wir es gewagt hätten, einmal von den ausgetramptelten Pfaden abzuweichen, hätten wir vieles lernen können. Stattdessen mussten wir wieder einmal die realitätsfernen Anordnungen der Schulbürokratie über uns ergehen lassen.“

Bild: Klimkin: Kinder lernen (Pixabay)

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