Reine Sprache, schmutziges Handeln

Ein Einwurf zu unserem Umgang mit Flüchtlingen

„Schwarzfahren“? Dürfen wir nicht mehr sagen! Weil: rassistisch!
„Mohrenköpfe“? Sind schon lange durch „Schokoküsse“ ersetzt worden!
Der „Zwarte Piet“, niederländischer Helfer des Nikolaus? Muss zu Hause bleiben, der Nikolaus muss die Arbeit jetzt allein erledigen.
Und wer „Neger“ sagt, verliert sowieso die bürgerlichen Ehrenrechte.

Ja, wir waschen unsere Hände in Unschuld! Wer eine so klinisch reine Sprache spricht, muss auch moralisch sauber sein!

Deshalb müssen wir auch unsere Handlungen nicht hinterfragen. Dass wir eine eigene Grenzschutztruppe unterhalten, die Menschen in Not von uns fernhält? Ist unser gutes Recht! Wir können einfach nicht alle aufnehmen! Und überhaupt: Da könnte ja jeder kommen!
Dass wir einen türkischen Autokraten fürstlich entlohnen, damit er uns die lästigen „Migrantinnen und Migranten nordafrikanischer Herkunft“ vom Leibe hält? Ist strategisch klug! Und dazu noch super-human! Denn so halten wir die Menschen ja davon ab, sich aufs Meer zu begeben, wo wir sie leider-leider ertrinken lassen müssen!
Dass wir es als einen „Racheakt“ Lukaschenkos bezeichnen, wenn der weißrussische Diktator Flüchtlinge über die Grenze nach Litauen ziehen lässt? Ist überhaupt nicht rassistisch! Wer behauptet, dass wir damit von Menschen in Not wie von lästigen Insekten sprechen, die anderen auf den Hals gejagt werden, hat einfach die Situation nicht verstanden! Die armen Menschen in Litauen! Jetzt müssen sie allein die ganze „Last“ der „Flüchtlingsströme“ tragen!

Ja, so etwas darf man sagen. „Die“ Flüchtlinge dürfen uns ganz allgemein eine Last sein. Wir dürfen sie auch zu „Strömen“ entmenschlichen, ohne dass irgendeine Sprachpolizei schmerzhaft aufschreit.
Die konkreten Menschen dürfen uns ganz egal sein.
Wir müssen uns nicht fragen, was sie daheim durchgemacht haben und was ihnen unterwegs alles widerfahren ist.
Wir müssen nicht danach fragen, wie sie sich fühlen nach der beschwerlichen Reise, die sie in ihrer Verzweiflung als letzten Ausweg auf sich genommen haben.
Wir müssen uns nicht überlegen, wie es ihnen geht in ihren Notunterkünften, wo sie nichts tun können, als auf die Barmherzigkeit derer zu hoffen, denen sie eine Last sind.
Wir müssen uns nicht in die Lage ihrer Angehörigen versetzen, die daheim auf eben diese Barmherzigkeit hoffen, weil auch sie alle Hoffnung in diese eine Reise gesetzt haben.

Nein, wessen Sprache so sauber tönt wie unsere, der kann unmöglich eine schwarze Seele haben!

Hintergrund dieses Einwurfs ist eine Erzählung über einen Flüchtling aus Äthiopien, die aktuell auf LiteraturPlanet zu lesen ist:
Edgar Fuhrmann: Fremd

Bild: Bernhard Stärck: Denkmal Flüchtlinge (Pixabay)

Ein Kommentar

  1. In Mexiko sind im Sommer 2020 17 Windkraftgegner, 2 Indianerinnen und 15 Indianer, gefoltert und bei lebendigem Leib verbrannt worden. Profiteur der Aktion war u.a. Électricité de France (vgl. die Links in https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2020/10/14/thesen-zur-windkraft-ausgehend-vom-massaker-von-windkraft-gegnern-in-mexiko/). Man muss nun lesen, wie Greenpeace den Vorfall darstellt: „In Mexiko sind 15 Menschen getötet worden – anscheinend bei der Eskalation eines Streits um die Verwaltung ihrer Ortschaft. Sie seien Sonntagnacht gefoltert und bei lebendigem Leib verbrannt worden, teilte die Regierung der Gemeinde San Mateo del Mar an der Pazifikküste des Bundesstaates Oaxaca am Montag (Ortszeit) mit.“ Erst weiter unten heißt es dann: „Es hatte in San Mateo del Mar in den vergangenen Jahren immer wieder Streit zwischen politischen Fraktionen gegeben. Der Isthmus von Tehuantepec in Südmexiko, wo die Gemeinde liegt, ist einer der windigsten Orte der Welt. Ausländische Konzerne bauen dort große Windparks, was zu Konflikten mit den überwiegend indigenen Bewohnern geführt hat.“ (https://www.greenpeace-magazin.de/ticker/bei-lebendigem-leib-verbrannt-15-menschen-mexiko-getoetet) Dass es sich um eine brutale Abstrafung „indigener“ Windkraftgegner handelte, wurde im Greenpeace Magazin unkenntlich gemacht, damit Greenpeace dann gegen den mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, der gegen EDF & Co. klagen wollte, die moralische Weltklimarettungskeule hervorholen konnte. In dem Greenpeace-Bericht über eine Protestaktion in Datteln wurde die einzige „schwarze“ Teilnehmerin durch Schwärzen unkenntlich gemacht (https://www.greenpeace.de/themen/ueber-uns/ein-vorwurf-der-uns-trifft). Man muss nun die Rechtfertigung der „vornehmlich weißen Menschen“ von Greenpeace, die „nicht frei von unbewussten Rassismen sind“, lesen: „Wir sind dankbar, dass Tonny Nowshin uns auf unseren Fehler aufmerksam gemacht hat. Wir sind dankbar, dass sie uns als vornehmlich weiße Menschen damit schonungslos vor Augen führt, dass auch wir nicht frei von unbewussten Rassismen sind.“ (https://www.greenpeace-magazin.de/aktuelles/wie-rassistisch-ist-die-umweltbewegung) Andererseits wurde der Rassismusvorwurf gegen Hans-Georg Maaßen von Luisa Neubauer und Anne Will ohne Beleg vorgetragen und auf völlig beliebige Weise gehandhabt, wobei Verleumdung und Rufmord geübt wurden (vgl. https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2021/06/16/die-ard-stiehlt-sich-aus-der-verantwortung/). Die „anti-rassistische“ Klimaideologie, die rassistisches Handeln mit einem sprachlichen Anti-Rassismus, der auf rassistischen Clichés aufbaut, verbindet, müsste einmal genauer analysiert werden und der Ansatz dazu, der in dem obigen Essai vorhanden ist, müsste ausgearbeitet werden. Der Anti-Rassismus der Saubermänner*innen und Sprachreinigungskräfte ist eine Spielart des Rassismus, die von der permanenten Reaktivierung des ekelhaftesten rassistischen Gedankengutes lebt, das immer wieder mit Penetranz ins individuelle wie ins kollektive Bewusstsein und Unterbewusstsein geholt wird, wo es im Modus der Unausgesprochenheit wuchern soll (vgl. https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2021/08/02/schreiben-an-malcolm-ohanwe/). Aus einem heuchlerischen Gutmenschentum, an dem die Welt genesen soll, birst tiefste Unmenschlichkeit hervor und die Migranten, die ihre eigene oftmals unerträgliche Lebenssituation zu verbessern suchen, werden von den Parteien aller Couleur auf schändliche Weise für ideologische, politische und ökonomische Zwecke missbraucht.

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