Die Blüten der Liebe – schön, aber leicht zu übersehen / The Blossoms of Love – Beautiful, but Often Overlooked

Mit einem Song der italienischen Band Matmata / With a Song by the Italian Band Matmata

A Summer Full of Love, 3

Mit unserem Traum von der idealen Liebe stehen wir uns oft selbst im Weg – weil er uns daran hindert, die reale Liebe in ihrer Schönheit zu erkennen. – Dritter Post zum Summer Full of Love, mit einem Song der italienischen Band Matmata.

With our dream of ideal love, we often get in our own way – because it prevents us from recognising real love in its beauty. – Music summer on rotherbaron, today with a song by the Italian band Matmata.

English Version

Bis ich mich verliere

Lass mich noch einmal die Blumen des Himmels
und den Duft der Sterne für dich pflücken.
Leg deine Ängste ab in meinem Herzen,
lass mich in deinen Augen trinken,
bis ich mich darin verliere.

Das Trennungsschwert hat mich entzweigerissen,
dein Winterherz wird mich erfrieren lassen.
Der Himmel zittert, wenn du ihn berührst,
die Zeit steht still, wenn du die Finsternis durchbrichst
und mich im Sturz durch die Unendlichkeit umarmst.

Noch blasen kalt die Winterzweifel
auf uns und deine Ängste,
die ich in meinem Herzen heilen werde.

Das Trennungsschwert hat mich entzweigerissen,
nur du kannst meine Wunden heilen.
Lass mich nicht erfrieren
in deinem Winterherzen.

Der Himmel zittert, wenn du ihn berührst,
die Zeit steht still, wenn du die Finsternis durchbrichst
und mich im Sturz durch die Unendlichkeit umarmst.

Träumend wirst du mir in meine Träume folgen,
und träumend wirst du dich mit mir verlieren
in den Träumen, die ich für dich webe.

Matmata mit der Sängerin Syria: Fino a perdermi

aus: In attesa del cielo (In Erwartung des Himmels, 2008)

Ein tödlicher Abgrund: Die Kluft zwischen Ideal und Realität

Wenn wir von der „wahren“ Liebe sprechen, denken wir dabei an die absolute Erfüllung unserer Träume, an eine Beziehung, in der zwei Menschen einander in idealer Weise ergänzen und unterstützen. Eine Beziehung, die von blindem Verständnis füreinander geprägt ist, von einem Mitschwingen miteinander, durch das jede Regung der anderen Seele unmittelbar eine Saite in der eigenen Seele anschlägt.

Das Problem ist nur: Eine solche ideale Liebe gibt es nicht. Wir können von ihr träumen, uns ihr als einer Utopie annähern, als einem Gipfel, um dessen letztendliche Unerreichbarkeit wir wissen. Messen wir aber die reale Liebe an diesem Ideal, so werden wir immer enttäuscht sein.

Diese Enttäuschung führen wir dann jedoch nicht auf uns selbst zurück, auf unsere eigene Unfähigkeit, die wesensmäßige Unvollkommenheit jedes Menschen zu akzeptieren und andere folglich gerade auch in ihren Schwächen anzunehmen. Stattdessen tendieren wir dazu, den anderen für die Unvollkommenheit der Welt verantwortlich zu machen.

Anstatt die Augen für das Schöne zu öffnen, richtet sich unser Blick folglich auf all die Kleinigkeiten, die unserem unrealistischen Traum vom vollkommenen Glück entgegenstehen. Die daraus entstehenden Reibereien weiten sich mit der Zeit zu handfesten Streitereien aus, an denen die Liebe unweigerlich ersticken muss.

Wenn sich das Schöne erst im Rückspiegel offenbart

Erst im Rückblick, wenn alles vorbei ist, entdecken wir all das Schöne, das uns der andere geschenkt hat. Erst wenn wir allein in der leeren Wohnung zurückbleiben, fällt uns auf, wie angenehm die Stimme des anderen Menschen doch die Räume erfüllt hat und wie vertraut uns sogar seine kleinen Macken waren, die uns bis dahin so sehr gestört hatten.

All das erscheint uns auf einmal als liebenswerter Teil jenes anderen Lebens, das längst ein Teil unseres eigenen Lebens  geworden war. Nun aber, da wir dies erkennen, ist es zu spät. Zu tief sind die Wunden, die wir selbst mit unserer ewigen Nörgelei der zarten Pflanze der Liebe zugefügt haben.

Also blicken wir zurück und klagen uns selbst an für unsere Versäumnisse und für die Blindheit, die uns die ausgestreckte Hand des Glücks hat übersehen lassen. Noch einmal, so schwören wir uns, soll uns das nicht passieren! Ob wir uns wohl auf uns selbst verlassen können?

Über Matmata und Syria

Die Band wurde 1994 in Orzinuove bei Brescia in der Lombardei von Nicola Saini und Gianmario Ragazzi gegründet. Letzterer ist als Kopf der Band auch für Musik und Texte von Matmata zuständig. Das erste Album konnte aufgrund von Streitigkeiten mit dem Musiklabel erst 2003 erscheinen, zwei weitere Alben folgten 2008 und 2016. Die Band wird meist in der Kategorie „Alternative Rock“ eingeordnet, wobei sich unter den Songs auch einige Rockballaden mit zarteren Tönen finden.

Die in dem Lied mitwirkende Sängerin Cecilia Syria Cipressi nutzt ihren zweiten Vornamen als Künstlernamen („Syria“ oder, rückwärts gelesen, „Airys“). Der 1977 in Rom geborenen Künstlerin gelang im Jahr 2000 mit dem Song Se t’amo (Falls ich dich liebe) der Durchbruch. Sie hat seit 1997 acht Alben veröffentlicht.

Gianpiero Actis: Stars (painting inspired by a poem by Peter Thabit Jones from Swansea, Wales); Wikimedia Commons, 2011/ Sterne (durch ein Gedicht von Peter Thabit Jones aus dem walisischen Swansea angeregtes Gemälde)

English Version

The Blossoms of Love – Beautiful, but Often Overlooked

Until I Lose Myself

Let me once more pick the celestial flowers
and the scent of the stars for you.
Lay your fears in my heart,
let me drink in your eyes
until I lose myself in them.

The sword of separation has torn me in two,
your winter heart will freeze me.
Heaven trembles when you touch it,
time stands still when you break through the darkness
and embrace me as I fall through space.

Still the winter doubts blow cold
on us and on your fears
which I will heal in my heart.

The sword of separation has torn me in two,
only you can heal my wounds.
Do not let me freeze
in your winter heart.

Heaven trembles when you touch it,
time stands still when you break through the darkness
and embrace me as I fall through space.

Dreaming, you will follow me into my dreams,
and dreaming, you will lose yourself with me
in the dreams I weave for you.

Matmata featuring Syria: Fino a perdermi

from: In attesa del cielo (Awaiting the Sky, 2008)

A Deadly Abyss: The Gap Between Ideal and Reality

When we speak of „true“ love, we have in mind the absolute fulfilment of our dreams, a relationship in which two people complement and support each other in an ideal way. A relationship characterised by blind understanding for each other, by a resonance with each other through which every emotion of the other soul immediately strikes a chord in one’s own soul.

Unfortunately, however, such an ideal love does not exist. We can dream of it, approach it as a utopia, as a summit whose ultimate unattainability we are aware of. But if we measure real love against this ideal, we will always be disappointed.

This disappointment we often do not attribute to ourselves, to our own inability to acknowledge the intrinsic imperfection of every human being and consequently to accept others precisely in their weaknesses. Instead, we tend to blame the other person for the imperfection of the world.

Consequently, we don’t open our eyes to the beauty of love, but focus on all the little things that get in the way of our unrealistic dream of perfect happiness. Over time, the conflicts resulting from this escalate into serious quarrels, which inevitably suffocate love.

When Beauty Reveals Itself Only in the Rear View Mirror

Only in retrospect, when everything is over, do we discover all the beauty we owe to the other person. Only when we are left alone in the empty flat do we notice how pleasantly the other person’s voice filled the rooms and how familiar we were even with all the little quirks that had bothered us so much until then.

All this suddenly appears to us as a lovable part of the other life that had long since become a part of our own life. But now that we realise this, it is too late. The wounds we ourselves have inflicted on the tender plant of love with our permanent nagging are too deep.

So we look back and accuse ourselves for our failures and for the blindness that has made us overlook the outstretched hand of happiness. This, we swear to ourselves, shall not happen to us again! But can we rely on ourselves?

About Matmata and Syria

The band was founded in 1994 in Orzinuove near Brescia in Lombardy by Nicola Saini and Gianmario Ragazzi. The latter, as head of the band, is also responsible for the music and lyrics of Matmata. Due to disputes with the music label, the first album could only be released in 2003, followed by two more albums in 2008 and 2016. The band’s music is usually classified as „alternative rock“. However, there are also some rock ballads with softer sounds among the songs.

The singer Cecilia Syria Cipressi, who also features in the song, uses her middle name as her stage name („Syria“ or, read backwards, „Airys“). Born in Rome in 1977, the artist had her breakthrough in 2000 with the song Se t’amo (If I love you). She has released eight albums since 1997.

Bild /Image: Franciszek Żmurko (1859 – 1910): Entrückt; entstanden um die Jahrhundertwende (Warschau, National Museum (Wikimedia Commons) / In rapture; turn of the 19/20th century (Warsaw, National Museum; Wikimedia Commons)

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