Die Schule in der Demokratie als Schule der Demokratie

Zum Erscheinen von Ilka Hoffmanns Buch über „Bildungsreformen als Fundament eines demokratischen Way of Life“

Was kann die Schule zur Lösung der drängenden Menschheitsfragen beitragen? Wie können Natur- und Klimaschutz, Demokratie und Frieden durch sie gefördert werden? – Eine Einführung in Ilka Hoffmanns neues Bildungsbuch.

Die Zukunft der Welt und das Klassenzimmer

Eine Henne-Ei-Problematik

Verhaltenstherapie oder Einstellungsänderung?

Das menschliche Gewohnheitstier und das Staunen der Kinder

Schulisches Probehandeln

Positive Rückkopplungseffekte

Zum Buch

Die Zukunft der Welt und das Klassenzimmer

In den kommenden Wochen wird es auf rotherbaron einen neuen Themenschwerpunkt geben: Schulbildung in Deutschland. Der Grund dafür ist das Erscheinen von Ilka Hoffmanns neuem Buch. Es trägt den Titel Die Schule in der Demokratie als Schule der Demokratie. Bildungsreformen als Fundament eines demokratischen Way of Life – und ist ab sofort als Ebook und natürlich auch als gutes, altes Ohrensessel-Analogbuch erhältlich.
Nun werden manche sich vielleicht fragen: Schulbildung? Gibt es nicht wichtigere Themen? Den Weltfrieden? Den Klimaschutz? Die Politikverdrossenheit? Den Populismus?
Diese Einwände sind natürlich berechtigt. Die Zukunft der Welt entscheidet sich nicht in einem Klassenzimmer. Andererseits gilt aber auch: Eine für die Menschheit erträgliche Zukunft wird nicht ohne einen gründlichen Blick in die Klassenzimmer dieser Welt zu erreichen sein.

Eine Henne-Ei-Problematik

Letztlich haben wir es hier mal wieder mit einer Henne-Ei-Problematik zu tun. Egal, ob wir über den Weltfrieden, den Klimaschutz oder über Mitbestimmungsprozesse in modernen Gesellschaften reden – überall muss das Steuer dringend herumgerissen werden, wenn wir nicht ungebremst auf einen Abgrund zusteuern wollen.
Mit anderen Worten: Es sind radikale Veränderungen vonnöten. Aber wo soll man ansetzen, um diese Veränderungen zu erreichen?
Der naheliegendste – und auch intensiv beschrittene – Weg ist es, internationale Konferenzen zu organisieren und multinationale Organisationen zu gründen, wo Vereinbarungen über die nötigen Veränderungsschritte getroffen werden. Die Ergebnisse lauten dann etwa OSZE, UNO, Klimakonferenz oder START (Strategic Arms Reduction Treaty).
Und? Sind wir dem Weltfrieden damit nähergekommen? Haben wir dem Klimawandel Einhalt geboten? Gibt es eine weltweite Akzeptanz für demokratische Entscheidungsprozesse?
Richtig ist: Es gibt keine Alternative zu all diesen mühsamen Verständigungsprozessen, so gering die mit ihnen zu erzielenden Fortschritte auch sein mögen. Richtig ist aber auch: Auf diese Weise werden stets nur die Symptome behandelt. Der Kern all unserer Probleme, das, was den Fehlentwicklungen zugrunde liegt, bleibt dagegen unangetastet.

Verhaltenstherapie oder Einstellungsänderung?

Wenn wir an die Stelle dieses oberflächlich-symptomatischen Umgangs mit den drängenden Menschheitsfragen nachhaltigere Lösungen setzen wollen, müssen wir von einer Korrektur der schädlichen Verhaltensweisen zu der Ebene der Einstellungen vordringen. Denn sie sind es ja, die bestimmte Verhaltensweisen begünstigen und andere zurückdrängen.
Einstellungen aber sind weit schwerer zu korrigieren als Verhaltensweisen. Diese lassen sich notfalls durch bestimmte verhaltenstherapeutische Maßnahmen umpolen.
Aus psychologischer Sicht ist die Bestrafung unerwünschten und die Belohnung erwünschten Verhaltens nichts anderes als eine Form der Konditionierung, die Etablierung eines bestimmten Reiz-Reaktions-Schemas. Und genau dieser Mechanismus wird ja in Gang gesetzt, wenn etwa im Straßenverkehr bestimmte Verhaltensweisen mit Geldbußen belegt werden. Oder, um beim Beispiel des Klimaschutzes zu bleiben: wenn Benzinpreise erhöht werden oder Bahntickets verbilligt werden, um eine klimafreundliche Mobilität zu fördern.
Auf diese Weise lassen sich zwar in einigen Bereichen kurzfristige Erfolge erzielen. Ein durchgreifender, struktureller Wandel ist so jedoch nicht zu erzielen.
Für einen effektiven Klimaschutz, der nicht auf Kosten des Naturschutzes geht, reichen Verhaltensänderungen in einzelnen Bereichen nicht aus. Dafür benötigen wir vielmehr eine völlig andere Wirtschaftsweise, die von Nachhaltigkeit und Suffizienz geprägt ist, anstatt auf Wachstum und Konsum zu setzen.
Eine solche radikal andere Wirtschaftsweise setzt jedoch auch eine andere Gesellschaft, einen anderen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen voraus. Und dies ist eben nicht über selektive Verhaltensänderungen, sondern nur durch einen umfassenden Wandel auf der Ebene der Einstellungen zu erreichen.

Das menschliche Gewohnheitstier und das Staunen der Kinder

Und genau an dieser Stelle kommt nun die Schule ins Spiel. In der Erwachsenenwelt haben sich längst bestimmte Routinen etabliert, die zwar hinterfragt, aber nicht von heute auf morgen verändert werden können. Dem steht nicht nur entgegen, dass der Mensch eben ein Gewohnheitstier ist. Vielmehr werden wir in unseren Gewohnheiten auch von den Strukturen, die unser Alltagsleben bestimmen, bestärkt.
Kinder dagegen sind noch nicht so stark von diesen Strukturen und den mit ihnen assoziierten Verhaltensweisen geprägt. Ihnen fällt es leichter, die Welt mit einem anderen, unverbrauchten Blick zu betrachten und so auch andere Zugangsweisen zu ihr zu entwickeln.
Natürlich gibt es auch hierfür enge Grenzen. Schließlich leben Kinder nicht in einem luftleeren Raum, sondern wachsen in eben jener Gesellschaft heran, die auf ihren frischen, unverbrauchten Blick angewiesen ist. Die familiäre Sozialisation und die implizite Prägung durch ihre Umwelt haben einen mindestens ebenso starken, wahrscheinlich sogar weit stärkeren Einfluss auf sie als die Schule.
Dennoch ist die Schule der Ort, an dem zumindest Korrekturen an den durch die Gesellschaft vorgegebenen Einstellungsmustern vorgenommen werden können. Der entscheidende Ansatzpunkt dafür sind nicht die Inhalte, die den Kindern vermittelt werden. Viel wichtiger ist das schulische Alltagsleben, das, was die Kinder durch das konkrete Zusammenleben und Miteinander-Agieren in der Schule erleben und erlernen.

Schulisches Probehandeln

Konkret bedeutet das: Demokratie darf in der Schule nicht nur ein Lehrinhalt im Rahmen des Politikunterrichts sein. Sie muss vielmehr konkret im Umgang miteinander erprobt und erfahren werden.
Ebenso genügt es nicht, Klima- und Umweltschutz als theoretisches Fächerwissen zu vermitteln. Auch hier gilt: Nur wenn ein anderer, nachhaltigerer Umgang mit der Natur unmittelbar praktiziert wird, wird er zu einer Selbstverständlichkeit.
Und natürlich bringen uns auch Konfliktlösungsstrategien dem Weltfrieden nur dann näher, wenn wir sie nicht bloß als auswendig gelerntes Wissen beherrschen, sondern konkret in unserem Alltag anwenden.

Positive Rückkopplungseffekte

Wie gesagt: Die Schule allein kann die Gesellschaft nicht verändern. Schulpläne werden von Regierungen gemacht, die ihrerseits vom Boden der bestehenden Strukturen aus agieren.
Die Schulbildung kann jedoch Anstöße für Einstellungsveränderungen geben, die, sobald die Kinder in die Erwachsenenwelt eintreten, die Grundlage für eine sukzessive Veränderung der Strukturen bilden können. So ergeben sich positive Rückkopplungseffekte, die auf lange Sicht eben doch eine nachhaltigere Veränderung bewirken können als die bloße Eindämmung der allerschädlichsten Auswirkungen unfriedlicher, undemokratischer oder naturschädlicher Grundeinstellungen.
Wie eine Schule, mit der solche Rückkopplungseffekte zu erzielen wären, organisiert sein müsste und warum Schulbildung diesen Ansprüchen oft eben leider nicht genügt – darum geht es in dem Buch von Ilka Hoffmann. Auszüge daraus werden in den kommenden Wochen an dieser Stelle in loser Folge dokumentiert.

Inhaltsverzeichnis und Einführung als PDF

Zum Buch

Die Lebendigkeit einer Demokratie hängt nicht in erster Linie von der Funktionsfähigkeit ihrer formalen Mechanismen ab. Wichtig ist dafür vor allem ein von Solidarität und Empathie, Eigenverantwortung und Diskursbereitschaft getragener Alltag. Dieser muss folglich auch das Leben und Lernen in der Schule bestimmen. Was muss sich dafür ändern?

eBook:

7,49 €

Kindle

ePub

Buch

17, 80 €

mit farbigen Abbildungen

Verlagsbestellung:

Bitte Mail an kontakt@literaturplanetonline.com (Versandkostenfrei)

Bild: Albert Anker (1831 – 1910): Schreibunterricht (1865); Privatsammlung (Wikimedia)

4 Kommentare

  1. Ich verzweifle noch!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Die jetzt angegebene e-mailadresse für die Buchbestellung ist nicht
    gültig!!!!!!!!!!!

    Herzliche Grüße

    Bert Schmid

    Gefällt mir

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