Interview mit Rothilda von Rotortod zu ihrem Roman „Überdreht“

IMG_3671

English version:
Interview with Rothilda von Rotortod to her novel Overturned

Das politische Sommerloch habe ich auf rotherbaron in den letzten Jahren stets mit meinen Musikreisen überbrückt. Das wird auch dieses Jahr der Fall sein. Allerdings wird die musikalische Sommerreise dafür auf den Literaturplaneten umziehen (literaturplanet.com). Denn parallel dazu soll endlich der versprochene Anti-Windkraft-Roman von Rothilda von Rotortod ins Netz gestellt werden. Da Windkraft aber ein Rotherbaron-Thema ist, schien es mir naheliegender, ihn auf dieser Website zu veröffentlichen.
Da die Anti-Windkraft-Bewegung sich erfreulicherweise mehr und mehr international vernetzt, plane ich für den Roman auch eine englische Variante. Dabei werde ich allerdings ausnahmsweise mal Fernsehredakteur spielen und auf die Quote schielen. Rückmeldungen sind hier also ausdrücklich erwünscht!
Rothildas Werk wird als Fortsetzungsroman erscheinen. Teil 1 gibt es am kommenden Wochenende. Als Einstimmung auf den Roman schalten wir heute ein Interview mit der Autorin frei. Als Gesprächspartnerin haben wir dafür die renommierte Literaturkritikerin Nona Suomy gewonnen.

Nona Suomy: In deinem Roman Überdreht lassen Außerirdische Windräder errichten, um die Landeplätze für ihre Invasionskräfte zu markieren. Wie bist du denn auf die Idee gekommen?

Rothilda: Für mich ist das einfach ein Bild für die Fremdheit, die ich beim Anblick der Windräder empfinde. Eine Fremdheit gegenüber der Landschaft, die ihr Gesicht immer stärker verändert und mehr und mehr zu einer reinen Aufstellfläche für Industrieanlagen verkommt. Aber auch eine Fremdheit gegenüber denen, die diese Veränderung vorantreiben; die kein Gespür für die Entfremdung von der Natur haben, die sie damit bewirken.

Nona Suomy: Wäre es denn nicht naheliegender gewesen, einen Zeit- oder einen Schlüsselroman zu schreiben – irgendetwas Realistisches, das die Probleme konkret benennt?

Rothilda: Damit hätte ich der Diskussion nichts Neues hinzugefügt. Die Fakten zur Windkraft liegen doch schon seit Langem auf dem Tisch. Wenn du Zahlen und Daten haben möchtest, kannst du einfach das Windstromglossar meines Bruders Rother Baron anklicken. Da findest du unzählige Links zu Studien und Artikeln, die die Problematik der Windkraft unter den verschiedensten Aspekten beleuchten. Mir ging es mit meinem Roman darum, das Überfallartige, Wahnhafte des Windstromausbaus vor Augen zu führen.

Nona Suomy: Manchmal kommt einem der Roman aber doch ziemlich grotesk vor.

Rothilda (schmunzelt): Das ist eben meine Art, realistisch zu sein.

Nona Suomy: In dem Roman erscheint die gesamte Menschheit als Opfer einer außerirdischen Intelligenz. Entlässt das die wahren Täter nicht aus der Verantwortung?

Rothilda: Mag sein. Ich denke aber, dass die Windstromideologie mittlerweile eine Eigendynamik entfaltet hat, durch die auch die Täter in gewissem Sinne zu Opfern werden. Mit der Windkraft ist inzwischen eine fast schon religiöse Heilsbotschaft verbunden: Alles Böse wird von uns genommen, alle Laster werden uns verziehen, wenn wir nur jeden Hügel mit Windrädern bestücken. Das erzeugt einen ungeheuren Handlungsdruck, dem sich die politisch Verantwortlichen kaum noch entziehen können.

Nona Suomy: In dem Roman gibt es dann ja doch ein Happy End. Ziemlich überraschend nach dem, was du gerade ausführst.

Rothilda: Findest du? Na ja, ein bisschen bin ich dabei wohl von meinen eigenen Bedürfnissen ausgegangen. Die Welt ist grau und böse, ständig hört man von neuen Hiobsbotschaften, jetzt kommt auch noch die Corona-Pandemie dazu. Da möchte ich, wenn ich abends den Fernseher einschalte, nicht auch noch mit Geschichten zu tun haben, die schlecht ausgehen. Außerdem denke ich aber auch, dass die Literatur eine Art Schonraum für Utopien ist. Wenn die Utopie noch nicht einmal im eng umgrenzten Reservat zweier Buchdeckel gepflegt werden darf – wo soll sie denn dann überleben? Aber es steht dir natürlich frei, dir ein anderes Ende auszudenken.

Nona Suomy: Sehr großzügig. Ich werd’s mir überlegen …

English version:

Interview with Rothilda von Rotortod to her novel Overturned

IMG_3670In recent years I have always bridged the political summer slump on rotherbaron with my musical journeys. This will also be the case this year – but the musical summer trip will move to literaturplanet.com. The reason for this is that the promised anti-wind power novel by Rothilda von Rotortod will finally be put on the net, too. And since wind power is a rotherbaron topic, it seemed more obvious to me to publish it on this website.
Fortunately, the anti-wind power movement is becoming more and more international. So I think about publishing the novel in English as well. However, I will play TV editor for once and keep an eye on the ratings. So feedback is explicitly welcome!
Rothilda’s work will be published as a serialised novel. Part 1 will be published next weekend. To get in the mood for the novel, we’re releasing an interview with the author today. The questions are asked by the renowned literary critic Nona Suomy.

 Nona Suomy: In your novel Overturned, aliens use wind turbines to mark the landing sites for their invasion forces. How did you get the idea?

Rothilda von Rotortod: For me, this is simply an image of the strangeness I feel when I look at the wind turbines. A strangeness towards the landscape, which is changing its face from day to day and degenerating more and more into a mere site for industrial plants. But also a strangeness towards those who are driving this change; who have no sense of the alienation from nature that they are causing.

Nona Suomy: Wouldn’t it have been more obvious to write a social novel or a roman à clef – something realistic that would give concrete names to the problems?

Rothilda: With that I would not have added anything new to the discussion. The facts about wind power have been on the table for a long time. If you are looking for figures and facts, you can simply click on my brother Rother Baron’s wind power glossary. There you will find countless links to studies and articles that shed light on the problems of wind power from various aspects. The aim of my novel was to show the mugging-like, delusional nature of wind power expansion.

Nona Suomy: But sometimes the novel seems quite grotesque.

Rothilda (smiles): That’s just my way of being realistic.

Nona Suomy: In the novel the whole of humanity appears as a victim of an extraterrestrial intelligence. Doesn’t that absolve the real culprits of responsibility?

Rothilda: Maybe. But I think that the wind power ideology has developed a momentum of its own in the meantime, through which the perpetrators also become victims in a certain sense. Nowadays, an almost religious message of salvation is connected with wind power: All evil will be taken away from us, all vices will be forgiven if we only erect wind turbines on every hill. This creates a tremendous pressure to act, from which the political leaders can hardly escape.

Nona Suomy: In the novel there is a happy ending after all. Pretty surprising after what you just said.

Rothilda: You think so? Well, I guess I was a bit of a selfish person for that. The world is grey and evil, you hear about bad news all the time. And now we are even haunted by a pandemic! So when I turn on the TV in the evening, I don’t want to have to deal with stories that end badly. But I also think that literature is a kind of sanctuary for utopias. If utopia is not even allowed to be cultivated in the narrowly defined reserve of two book covers – then where is it supposed to survive? But of course you are free to think up another ending.

Nona Suomy: Very generous. I’ll think about it …

 

Bilder: privat

7 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s